Susanna Yokel 1923

Susanna Yokel wurde 1923 in Wien geboren und besuchte bis März 1938 das Schubert Realgymnasium im 9. Wiener Gemeindebezirk. Durch ihre Mitgliedschaft in der zionistischen Jugendorganisation Blau-Weiß erhielt sie ein Ausreise-Zertifikat und flüchtete im März 1939 über Italien nach Palästina. Dort war sie 1943 Mitbegründerin des Kibbuz Kfar Blum. 1956 wanderte sie mit ihrer in Israel gegründeten Familie in die USA aus. Zum Zeitpunkt des Interviews lebte sie in Bethesda, Maryland.

Vollständiges Interview

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Susanna Yokel
Jüdischer Name:
Miriam
Geburtsname:
Martha Susanna Braun
Geburtsdatum:
3. Dezember 1923
Geburtsort:
Wien, Österreich
Fluchtroute
1939 Wien, Deutsches Reich
1939 Venedig, Italien
1939 Brindisi, Italien
1939 Haifa, Palästina
Lebensstationen
Hier sind in chronologischer Reihenfolge Orte erfasst, an denen sich die interviewte Person im Laufe ihres Lebens aufgehalten hat.
Wien, Österreich
Vorbereitungslager, Moosbrunn, Österreich
Kibbuz, Afikim, Israel
Kfar Blum, Palästina
Bridgeport, USA
Storrs, USA
Albany, USA
Maryland, USA
Organisationen
Blau-Weiß - Wien, Österreich
1939 bis 1948
Haganah - Palästina
ab 1948
Israelische Verteidigungsstreitkräfte - Israel
Ausbildung
bis März 1938
höhere Schule
Schubert Realgymnasium (Erich Fried Realgymnasium, BRG 9)
Glasergasse 25, 1090
Wien, Österreich
März 1938 bis Mai 1938
höhere Schule
Albertgymnasium (Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium (BGRG 8 Albertgasse))
Albertgasse 18-22, 1080
Wien, Österreich
Hochschule
The College of Saint Rose
Western Avenue 432, 12203 Albany,
New York City, USA
Hochschule
University of Maryland
Maryland, USA
Beruf/Beschäftigung

in chronologischer Reihenfolge

Verkäuferin
Herstellung und/oder Verkauf von Lebensmitteln
Österreich
Wien
Verkäuferin
Textil, Mode, Leder
Palästina
Afikim
tätig im Bereich
Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft
Palästina
Afikim
Krankenpflegerin
Gesundheit, Medizin
Palästina
Kfar Blum
Lehrerin
Erziehung, Bildung
USA
Montgomery County
Lehrerin
Erziehung, Bildung
USA
Gaithersburg
„Spricht über“ sind besonders interessante Passagen in den Interviews, die von der Redaktion des Austrian Heritage Archive zusammengestellt wurden.
Auswanderungsvorbereitungen und Emigration mit Blau-Weiß
Leben im Kibbuz Afikim
Die Last der Vergangenheit
Schulzeit nach dem ‚Anschluss’

Teil 1

 

PR: This is an Austrian Heritage Collection interview with Mrs. Susanna Yokel, conducted by Philipp Rohrbach and Konstantin Wacker on June 6th, 2008 in Mrs. Yokel’s house. Frau Yokel, können Sie mir bitte Ihre Lebensgeschichte erzählen?

 

SY: Ja, meine Lebensgeschichte ist sehr checkered, hat sich in drei Kontinenten abgespielt, actually. Ich bin in Wien geboren, meine Familie hat viele Generationen in Wien gelebt und ich bin die Älteste von drei Kindern und habe alle Absicht gehabt zu studieren, bin Mittelschule gewesen, Vorzugsschülerin und so weiter. Und dann…die politische Lage in Österreich war nie sehr…während der Zeit, die ich in Österreich gelebt habe, waren, ich glaube, ungefähr drei Revolutionen – Umstürze, Putsche und so weiter. Ein Bundeskanzler wurde ermordet, einer wurde abgesetzt. Und es hat sich immer was getan. So es…ich kann mich sogar erinnern, dass wir uns einmal anstellen mussten für Petroleum, weil die Elektrizität…die haben alle gestreikt und da war Schießerei in den Gemeindebauten. Also ich meine, abgesehen davon, war es sehr…Leben in Wien sehr schön. Ich bin oft in die…ins Burgtheater sind wir immer gegangen, in die Oper als Kinder, als Schüler. Haben wir uns immer angestellt oben im Juchee…ganz normales Leben, nehme ich an. Wir haben in der Porzellangasse gewohnt, das ist eine nette neighbourhood, eine gute neighbourhood, wie sagt man…area, nicht sehr weit von der Universität.

 

In meiner Klasse, im Schubert Realgymnasium, waren eigentlich sehr viele jüdische Schüler. Wir haben…ich glaube, ich habe nie Antisemitismus gefühlt oder gesehen. Vielleicht habe ich nicht aufgepasst. Da waren schon Gegenden…ich weiß, wenn man in den zweiten Bezirk gegangen ist, da hat man manchmal…haben sie jedem mal was gesagt oder so, war nichts Besonderes…Schreckliches. Sonst war es ein sehr gewöhnliches Leben, bis es dann natürlich zum Umsturz…zur Hitlerzeit gekommen ist, im Jahre [19]38. Da war…das Jahr vorher war schon sehr…stürmisch. Meine Eltern waren eigentlich ziemlich…nicht sehr politisch betätigt, but sie waren Sozialdemokraten. Mein Vater war Kaufmann. Business. Meine Mutter war von…ihre Familie war Arbeiterklasse, meines Vaters Familie war, was man in Amerika middle class nennt, Kaufmänner. Die Familie hatte ein eigentliches Haus, Ursprung war in Baden. Die Familie kam eigentlich aus dem Burgenland, aus Ungarn, but sie hatten Verwandte und so weiter, Familie in allen Ländern und wir hatten ein Haus in Baden. Und wir hatten vineyards, Weingärten in Baden, die wir nicht bearbeitet haben, die wurden ausgepachtet. Mein Vater und sein Bruder, die waren Weinhändler – Wein importers und Weinhändler.

 

1/00:04:21

 

Meine Mutter war Nichtjüdin. Sie hat konvertiert, als sie geheiratet hat. Sie war aus einer…die Familie war eigentlich tschechisch vorher, böhmisch. Aber sie ist in Wien geboren und ihre Mutter auch, glaube ich, noch in Wien geboren. Sie war die Älteste von, glaube ich, fünf Kindern…wenigstens fünf, die am Leben geblieben sind. Sie haben viele Kinder gehabt, in Meidling. Und ihr Vater ist dann…sehr zeitig gestorben, an einem Schlaganfall, und sie war damals achtzehn oder neunzehn. Und sie hat die Handelsschule besucht – nicht das Gymnasium…Handelsschule – und hat in derselben Schuhfabrik, wo ihr Vater als Schuhmacher gearbeitet hat, war sie Beamtin und ist sehr hoch zur Prokuristin aufgestiegen und war sehr…aber als ihr Vater gestorben ist, war sie ganz jung. Da war sie, ja, vielleicht in den…Beginn von den Zwanzigerjahren. Sie hatte einen anderen, älteren Bruder…die Schwester, die…sie ist nach Holland gegangen, der Bruder nach Deutschland und da sind ein sehr jüngerer Bruder und Schwester geblieben. Die waren neunzehn Jahre jünger als sie und sie war sozusagen die Mutter. Sie war die Brot…der Brot winner der Familie. Und das hat…und sie war sehr selbstständig und sie hatte…sie war wie man sagt…ich weiß nicht. Also es hat ihr…das Leben hat ihr gefallen, sie hat keine Lust gehabt zu heiraten. Sie war verbunden mit meinem Vater, die haben sich schon jahrelang gekannt, aber sie war so in Wiener Gesellschaft und sie sagt, sie konnte nicht heiraten, bevor sie für ihre Kinder – eigentlich Bruder und Schwester – gesorgt hat. Das war wirklich…sie war wie eine Mutter zu ihnen. Leider Gottes hat später die Schwester geheiratet – hat einen Nazi geheiratet – und hat sich ganz von ihr abgesagt und war nicht sehr…you know. Aber sie selbst haben sie…mein Vater ist natürlich ins Militär gekommen. Ich glaube er war in Honvéd, weil er in Ungarn geboren…in Eisenstadt, war zu dieser Zeit Ungarn…das Burgenland ist jetzt Österreich. Sie war in einem ungarischen Hausregiment. Und er war sort of ein…ein communications officer, wie man da sagt, für Kaiser Karl in Laxenburg, das headquarter was in Laxenburg. Er war nicht an der Front, aber er war die ganze Zeit…und die haben sich immer noch gesehen und meine Mutter wollte nicht vor dem Krieg heiraten, sie dachte…viele Leute, Frauen, haben geheiratet, damit sie die Pension kriegen, aber das war nicht ihre Art. Und nach dem Krieg im Jahre [19]19 haben sie geheiratet und da war…meine Eltern waren schon ziemlich, man könnte sagen, alt. Mein Vater war in den Vierzigern, meine Mutter war in den Dreißigern, hohen Dreißigern. Als ich…ich war das erste Kind, da war sie schon 38. Und ich bin dann in die…ich glaube es hat geheißen…die [unklar] im zehnten Bezirk haben wir damals…ich kann mich noch erinnern, eben als ich ein Kind war, die Zeiten waren nicht sehr gut. Da waren viele Kriegswitwen, in unserem Haus. Viele Kinder sind zur Ausspeise gegangen, weil die Eltern…die Mütter waren Witwen, die Väter waren nicht da und sie haben alle möglichen Arbeiten gehabt, Tabaktrafiken und so weiter – für die Kriegswitwen in dieser Zeit. Und ich kann mich noch erinnern, ich habe meinen Freund, den Nachbarn, so schrecklich beneidet, der hat immer erzählt, der geht nach der Schule zur Ausspeise…was weiß ich, zu einem Kinderheim, und da kommt die Gulaschkanone und das hat mich so impressiert, ich war so beeindruckt. [Lacht.] Was ist eine Gulaschkanone? Ich hatte keine Ahnung. Die Zeiten waren nicht sehr gut für viele Leute in Österreich. Ich kann mich erinnern, wir sind Schlange gestanden für Kohlen, für Geld, für alles Mögliche. Die Nachkriegszeit. Es hat sich nachher gebessert.

 

Okay, ich habe eine zwei Jahre jüngere Schwester und einen Bruder, fünf Jahre jünger. Und dann haben wir im neunten Bezirk gewohnt, Alsergrund. Ich bin, wie gesagt, ins Schubert Realgymnasium gegangen, bis zur fünften Klasse. Während der fünften Klasse war die…Hitler invasion oder wie das geheißen hat. Und da hat man alle jüdischen Schüler von der Schule entfernt und wir sind zu einer anderen Schule gegangen – für ein paar Monate, um das Jahr zu Ende zu machen – das war im Jahr [19]39…das war [19]38, ja, [19]38 war das. Und dann haben wir das Schuljahr so irgendwie zu Ende gemacht in dieser anderen Schule, mit vielen Verhaftungen, niemand hat irgendetwas gelernt. Alle Leute haben nur geschaut…die Schüler, viele sind weggefahren und andere konnten nicht. Und das war eigentlich das Ende von meinem formal education, die fünfte Klasse Mittelschule. Die fünfte Klasse war schon soso, aber es hat mir doch later…später im Jahr geholfen, weil ich dadurch vom österreichischen Staat eine Pension bekommen…Verdienstverlust, wenn man vier Jahre…wenn man im fünften Jahr war, da war man schon sozusagen…expected to go to university and become an academic. Es hat nicht viel Unterschied gemacht, but anyway…dieses halbe Jahr oder was wir noch gehabt haben. Und nachher hat es keine Schulung mehr gegeben für jüdische Kinder, da war nur ein Gymnasium…mein Bruder, mein jüngster Bruder ist für ein halbes Jahr in das Chajes Gymnasium gekommen, meine Schwester überhaupt nicht. Und dann habe ich…im Sommer sind wir irgendwie…habe ich eine Tante gehabt in Piesting…sind die Kinder aufs Land gegangen und ich habe einen Umschulungskurs gemacht…jeder ist zur Umschulung gegangen.

 

1/00:11:26

 

Jeder wollte irgendwohin, raus…das war noch eine Zeit, wo man herauskönnen…konnte. Aber wohin? Die Tore waren geschlossen. Meine Eltern haben sich um ein Affidavit beworben und wir haben Verwandte in Amerika gehabt und…ein Affidavit ist eventually gekommen, das war schon wie ich weg war. Aber es ist nichts daraus geworden bei dem amerikanischen Konsulat, wo die meine Papiere…anyway, das war schon später. Ich habe…war ein Mitglied von einer Jugendbewegung, Blau-Weiss, Tchelet lavan – it is a socialist youth movement. Und die haben…ich war nicht ausgesprochen zionistisch, aber ich hatte immer mit dem Gedanken gespielt…ich hatte nie die Absicht gehabt, Österreich zu verlassen, aber immer…es hat mich interessiert, Zionismus hat mich doch interessiert. Ich war eine sehr große österreichische Patriotin, ich bin zu allen Sachen an der Ringstraße gegangen und so weiter, but that is…und meine Mutter war eine große Patriotin. Sie hatte noch ein Stück von der roten Fahne, als die Republik ausgerufen wurde, in 1918. Und sie war…meine Eltern waren Sozialdemokraten und haben immer dafür gestimmt. So konnte ich…wie soll ich sagen…da habe ich mich beworben durch the youth movement für…man musste ein Zertifikat haben, das war…ein Zertifikat für Palestine, Palästina. Aber das war sehr hart zu kriegen, die British clamped down, they had a schedule and very few people…sehr, sehr wenig Leute konnten kommen, da waren vielleicht a few thousand. Aber da war eine Bewegung Sochnut, Jewish Agency. Und Henrietta…Henrietta Szold, she is from Baltimore, und some andere Leute, die…auch von Hadassah und von anderen organizations, versuchten die Kinder herauszukriegen, junge Leute wenigstens. Und da war eine…a few thousand oder a few hundred, ich weiß nicht, wie viele…konnten jedes Jahr kommen. Aber das war lange erwartet und es war sehr kompliziert.

 

So, inzwischen habe ich einen Job bekommen, habe ich…Schule habe ich keine gehabt. Meine Mutter hatte eine Freundin – Frau Kohlhauser heißt sie – und die hatte eine Konditorei in Grinzing, es war ein Hammer Lokal – ich weiß nicht, ob das Hammerbrot noch existiert, es war eine Brotfabrik. Sie hat Hammerbrot…und auch eine Konditorei gehabt und eine Liegen…Gartenwirtschaft, in Grinzing, wie das so war. So habe ich bei ihr gearbeitet, aber ich musste sagen, dass ich ihre Nichte bin und Stefanie heiße, denn ich konnte ja als Jüdin nicht arbeiten. So habe ich dort ein paar Monate gearbeitet, und…Grinzing, wenn du Grinzing kennst, es ist sehr schön, sind viele Villen und die Villen wurden alle…viele jüdische Häuser wurden…alle geleert und viele SA und SS wurden dort einquartiert. Viele Offiziere…so haben wir…also ich war wirklich…ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe, I had to pretend, ich musste doch sagen: „Ja, ich bin bei der Tante, und ich bin die Steffi und…Heil Hitler this and Heil Hitler that.“ Aber ich habe das Geld gebraucht und ich konnte…wenigstens habe ich was zu tun gehabt, nicht? Alle möglichen…ich kann mich nur erinnern, eines war sehr lustig: Wir haben uns immer lustig gemacht über die Deutschen, die wussten nicht…wir haben Powidl- und Topfengolatschen gehabt, aber die haben das nicht gewusst, das war „Pflaumenmus“, „Pflaumenmusgebäck“ und „Quarkgebäck“ und wir haben natürlich schrecklich gelacht und sich immer beschwert, wie schrecklich das ist und so weiter. Da waren viele Deutsche dort, Offiziersfrauen sind gekommen. Es hat damals schon…es hat noch keine Punkte gegeben, man konnte noch kaufen, aber es war vieles nicht möglich zu kriegen, Butter. Man sagte, dass alles nach Deutschland transportiert wurde, Stoff…viele Geschäfte konnten überhaupt nichts halten, denn die Deutschen haben alles aufgekauft, die waren in dieser Zeit einfach so. Einige Sachen…also, es war nicht sehr leicht für mich und da war viele SS und die haben erzählt: „Oh, mein Sohn ist bei der SS und er fährt mit den Gefangenen, mit den Verhafteten, nach Dachau“, und hat viel darüber erzählt, es war…ich musste mich schon sehr zurückhalten, aber wenn man jung ist, kann man das machen. Dann habe ich einen Liebesbrief gekriegt von einem SS-Mann, hat einen Zettel geschrieben…„was soll ich tun, was soll ich tun?“ Da haben sie gesagt: „Na, schreib ihm, dass du schon einen boyfriend hast.“ So, solche Sachen erinnert man sich, solche Blödheiten.

 

1/00:17:07

 

PR: Was hat er denn geschrieben?

 

SY: „[Unklar] lieb mich, Fräulein“, ich weiß nicht, I was fifteen, I am sure he had good intentions…blunt, blue, whatever. So habe ich dort gearbeitet, bis meine Zeit für die Auswanderung gekommen ist und dann musste ich auf ein Vorbereitungslager gehen in Moosbrunn, Burgenland, ein altes jüdisches estate. Da haben wir zwei Wochen, glaube ich, Vorbereitung gemacht…ich weiß nicht. Und dann sind wir ausgewandert, dann sind wir…habe ich plötzlich den…I got the notice, that my turn came und ich kann nächste Woche fahren. Ich musste alles vorbereiten und dann am Schluss konnte…habe ich nicht die richtigen Papiere gehabt. I could not get…einen Stempel konnte ich nicht kriegen, mein Vater hat sich sehr bemüht. So habe ich den Termin vermisst und dann, da war ein second…ein anderer Termin, den nächsten Tag…die nächsten zwei Tage mit dem Zug nach Brindisi zu fahren und das Schiff dort zu erreichen. Die anderen sind alle zeitig nach Triest gefahren, haben das Schiff in Triest erreicht – die Gruppe. Und wir sind dann ein paar Tage später zu…ich habe fast zwei Stunden Verständigung bekommen…“get ready in two hours“. Zum Nordbahnhof…nein, Südbahnhof natürlich, nach Italien. „Du kannst fahren!“ Das war ein sehr schrecklicher Akt. In unsere Wohnung – wir hatten eine ziemlich…nicht…für österreichische Begriffe ziemlich große Wohnung, und wir hatten viele einquartiert. First of all, meine Tante und andere Leute, die haben in Piesting gewohnt, sie war Zahnärztin. Die sind natürlich alle herausgeschmissen, alles…„Österreich muss judenfrei werden“, man hat an einem Tag alle herausgeworfen und so they all came to us. Wir haben alle möglichen Verwandte und andere Leute in der Wohnung einquartiert gehabt.

 

Anyway, ich musste am nächsten Tag sofort zum Bahnhof gehen und my father took…mein Vater hat mich hingebracht zum Zug. Meine Mutter ist nicht mitgekommen, um die Kinder…and that is the last time I saw…das ist das letzte time, dass ich sie dann für über zehn Jahre gesehen habe. Während des Krieges wusste ich ja nichts von ihnen. Anyway, mein Vater hat mich zum Zug gebracht, da waren andere…he was very upset, er war sehr erregt und: „Ach, wer ist der leader, wohin fahren Sie, was tun Sie mit den Kindern?“ Man hat gar nichts gewusst, man hat nur gesagt: „Go zum Zug.“ Und ich kann…da war ein Schaffner dort, der hat ihn beruhigt, ein Österreicher, der hat gesagt: „Ah, schauen’s [schauen Sie], Herr Braun, sein’s [seien Sie] froh, sie foaht [fährt] weg. Ihnen, den Kindern, geht es besser, als es uns gehen wird.“ You know, people…not everybody was…so, I remember him saying that in good Viennese. [Lacht.] Ausdruck: „Schaun’s [schauen Sie], Herr Braun” because my father was very…erregt und er wollte wissen, wo ich sitze. „Mach dir nichts draus“, so anyway, so sind wir gefahren nach…in Venedig sind wir umgestiegen und sind herumgegangen und haben alle gedacht wir sind vielleicht Hitlerjungen, wir haben alle…wir haben nämlich – bevor wir weggefahren sind – haben wir gekriegt…von der Kultusgemeinde: Gummistiefel und Regenmäntel, weil es so…das Klima in Palästina, es hat geregnet. [Lacht.] Und dann…das hat uns gefallen, wir haben uns diese Gummistiefel angezogen und die Regenmäntel…die haben alle gedacht, wir sind Deutsche, marschieren, es war sort of komisch. Und haben das Schiff in Brindisi erreicht. Das Schiff war nicht ein sehr großes…elegantes Schiff. Wir haben im steer gewohnt, ich weiß nicht, wie man das sagt…unten. Ich glaube, es war ein Transportschiff, nicht ein elegantes Schiff. Es hat geheißen…die Thalia hat es geheißen, glaube ich. Da waren fünf und sechs und acht in…so in der Kabine mit…wie heißen diese Betten, eines über dem anderen?

 

PR: Stockbetten.

 

1/00:22:07

 

SY: Ja. Und die Kinder haben gespieben und es war wirklich eine ganz schreckliche Fahrt, aber es war sehr aufregend und ich war wirklich…es hat mich sehr gefreut, ich war so glorious, dass ich endlich was tun kann, über Italien bis [unklar]. Und das war mein erster…das erste Mal, dass ich Spaghetti gesehen habe, wir hatten Spaghetti und wir hatten…wir haben das nie gehabt in Österreich zu dieser Zeit, this Italian food. Die Fahrt dauerte vier Tage, wir sind in Haifa gelandet. And that was wonderful, I cannot…ich kann dir gar nicht erzählen, beschreiben, wie wunderbar das war. Es war März, 15. März [1939], gerade ein Jahr nach dem Anschluss. Und das Wetter in Österreich, es hat geschneit und geregnet…ich meine, Märzwetter ist nicht sehr schön. Es war miserables Wetter, Regen und snow und wir kommen…die Fahrt war ziemlich stürmisch, alle waren seekrank. Dann sind wir in Haifa eingefahren, in das…es war wie ein Traum. Blauer Himmel, Palmbäume, Blumen…Haifa ist sehr schön. Man fährt in den Hafen und das…Haifa ist am Berg herauf. Es war wie ein Traum, es war wirklich so schön. So ein Unterschied. Es war nicht der Orient, es ist der Middle East, aber trotzdem. So, alles hat geblüht…the orange blossom and the beautiful…die riechen so herrlich, also es war wirklich so schön. Dann sind wir dort in einem Einwanderungsheim ein paar Tage geblieben und Orangen und Datteln hat es…alles was wir nie, schon vor langer Zeit nicht in Wien gehabt haben…Südfrüchte. Das war meine Ankunft in Palästina, sehr positiv.

 

Ich habe mich sehr gefreut und ich habe eigentlich meine Eltern gar nicht vermisst. Es war aufregend, schön, endlich kommt man in ein…es ist nicht gleich der Orient, aber doch, wenn man in Wien…und nicht sehr viel gereist ist, da kommt man plötzlich nach Palästina, da sind Araber, da ist alles mögliche, Gerüche und Kaffeehäuser, alles ist ganz anders…das Leben. Das war sehr schön. Da sind wir auf dem Kamel gefahren, haben dort Karten gesehen, zwei Tage, dann sind wir in unsere Bestimmung gefahren. Die Sache war so, es hat geheißen: youth…Jugend-Alija. Alija ist Hebräisch für…Alija meint eigentlich einen Aufstieg, but es wird benützt, wenn man nach Israel geht und nach Palästina…sagt man, man macht Alija. Jeder, der nach Israel geht…aliyah it is called, because you go up…you do not really go up, but this is something positive. And when you leave Israel, if you happen to leave it, then they call it yerida, das nennen sie Abstieg. That is nicht positiv, das ist negativ. Also wir machten Alija und wir sind…die Jewish Agency und die Hadassah und alle diese organizations haben Gruppen von Kindern, Jugendliche…es waren alles Jugendliche, man musste, ich glaube, fünfzehn Jahre alt sein, so zwischen fünfzehn und achtzehn…und da sind Gruppen in verschiedene Kibbuzim gekommen…das heißt Jugend-Alija. Sind viele hundert Kinder so nach Israel gekommen, nach Palästina.

 

Und ich war auch in einer Gruppe, unsere Gruppe ist nach Afikim gekommen. Afikim ist ein sehr schöner, bigger Kibbuz im Jordan Valley. Und die Fahrt allein, wir sind mit dem Bus gefahren…wir waren ungefähr zwanzig in unserer Gruppe und wir wurden vereint mit einer Gruppe, die haben wir…eine andere Gruppe getroffen und die sind später gekommen, die sind von Czechoslovakia gekommen. Und wir sollten dort zwei Jahre bleiben. Halbe Tage…es war so organisiert, Youth Aliyah, man hatte…man arbeitete in den Morgen…halben Tag und nachmittags Unterricht.

 

1/00:26:59

 

Verschiedene…Hebräisch, Geschichte, was es halt war. Und nach zwei Jahren waren die meisten Leute achtzehn, da war man frei, man konnte tun, was man wollte. Man konnte in einen anderen Kibbuz gehen, man konnte einen Kibbuz bringen und man konnte Verschiedenes tun, aber verantwortlich war die Sochnut für zwei Jahre. So that is it, da haben wir begonnen zu arbeiten, waren wir natürlich sehr organisiert und alles Mögliche und haben Hebräisch gelernt und economics, was man halt so gebraucht hat. Verschiedene Sachen, nicht Lesen und Schreiben…und haben…wir waren so organisiert als eine Gruppe, wie es halt in so einem Kibbuz war…so einen Miniaturkibbuz, wir haben einen cultural Dings gehabt…wie sagt man? Verschiedene…Eltern, die dann gewählt wurden…cultural, social relations und whatever. Wir haben so halt ein pseudo-politisches Leben geführt, unsere Gruppe von 40. Und haben gearbeitet. Ich habe zuerst im Kleiderladen und dann im Gemüsegarten gearbeitet. Und dann im anderen…im Blumengarten. Also nicht im Blumengarten, wie hieß das…Park.

 

Der Kibbuz war sehr groß, es war ein alter Kibbuz und die Gründer waren Russen, die waren sehr interessante Leute, die sind alle…die meisten waren sehr…hatten viel Schulung. Manche waren lawyers und so, vom alten russischen Stock. Und die Kultur was auch…I mean, wir alle haben Hebräisch gelernt und Hebräisch gesprochen, but die waren sehr stolz, die waren…Russen, ja, Kulturniks. Sind aus Überzeugung gekommen, nicht weil sie mussten. Und da waren dann auch vom Baltikum, vom…ja, die meisten waren Russen in diesem Kibbuz. Und es waren sehr welt…man kann nicht sagen ein reicher Kibbuz, kein Kibbuz ist reich, but it was ökonomisch sound. Und that was in Jordan valley, which is sehr, sehr heiß und ist unter sea level. Wir haben Bananen gehabt und Grapefruit gehabt, und alles mögliche andere Gemüse exportiert. Also Grapefruit hatten wir sogar nach…Bananen haben wir sogar nach Russland exportiert, bevor…und sie hatten eine Fabrik, Kelet, für…die machte boxes, shipping boxes, für Gemüse aus Holz. Es war also eine große, ziemlich große Fabrik. So, die waren okay. Viele Leute von diesem Kibbuz waren auch in der Regierung. Die Regierung war social democratic in Israel, Mapai. Ich weiß, die waren alle…viele Kibbuz member waren in der Regierung. Und kulturell war es auch sehr…wir hatten Vorträge und Theatergruppen, es war eine…sehr, sehr schön. Das Klima war atrocious, sehr heiß, aber nicht feucht. Es war unter dem Seelevel.

 

1/00:31:05

 

Wir hatten in Häusern gewohnt…die hatten ein Haus gehabt, die Youth Aliyah. Man ist sehr zeitig aufgestanden, fünf o’clock. Ins dining room…in das Esszimmer, es war ein großes Zimmer…hatten Tee und so, went to work…went to Arbeit und dann um neun Uhr hat man gefrühstückt. Da habe ich zuerst das Israeli-Frühstück kennengelernt: Salat, Salat, Salat…that was awful, wir haben immer Salat und cottage cheese…und das war richtig das Frühstück und Tee und cereal…Grießkoch. Also, ein großes Frühstück. Man muss sich nur an das gewöhnen, dass man Salat zum Frühstück isst und da war…wir haben bis Mittag gearbeitet und dann war Mittagspause. Sehr, sehr heiße Mittagszeit. Wir haben drei…ungefähr drei Stunden Mittagspause gemacht und dann hat man noch gearbeitet von three…von drei Uhr oder so bis sechs oder so. Das war ein gewöhnlicher Arbeitstag, but Mittagspause musste man unbedingt haben, es war sehr, sehr heiß. Air condition gab es nicht, aber die Häuser waren kühl, Betonhäuser mit flachen Dächern und wir haben gleich unsere Dächer…aufs Dach gegeben. Unser flaches Dach…nicht unsere Dächer, unsere Betten.

 

We had a mosquito-net-thing of course, you needed a mosquitonet-thing, musstest careful sein, es war…dort war keine Malaria actually, das war später, aber Typhus hat es gegeben. Und zwar eine Typhus…wir sind nach der Typhuszeit gekommen, da war eine Typhusepidemie. Niemand war krank. Es war sehr…Kibbuz war sehr schön…Garten gepflanzt und so weiter. Dann haben wir dort zwei Jahre…dann habe ich im Garten gearbeitet und dann haben die Leute das…hier und da ist jemand von der Sochnut gekommen und hat uns einen Vortrag gehalten…wir haben…what they call madrechim, leaders…eine Frau, die…wir hatten beschlossen, wir haben gemeinsame…wir hatten alle Kleider zusammengegeben und jeder hat was gekriegt, jede Woche. Es hat geklappt so ungefähr…wir waren sehr idealistisch in dieser Zeit. Aber die meisten sind geblieben. Eine ist weggegangen, weil ihre Eltern gekommen sind, aber sonst waren wir 30, 40 Kinder. Und diese Gruppen haben sich immer erneuert, nach zwei Jahren ist eine andere gekommen. Viele, viele Kinder, Jugendliche wurden dadurch gerettet. Und nach zwei Jahren hatten wir eine Wahl: wir konnten weggehen oder wir konnten für ein drittes Jahr, das hat geheißen Hachschara ­– Vorbereitungen, um unseren eigenen Kibbuz zu gründen – oder einen anderen Kibbuz zu besuchen oder, wenn wir wollten, auch da zu bleiben, but da zu bleiben war wirklich nicht eine option, wie man sagt. Wir waren viel jünger als die Leute…zwei Mädchen sind geblieben, die haben geheiratet dort. Aber sonst…so, wir haben unsere Hachschara gemacht. Einige Leute sind weg in die Stadt und einige sind zur Armee. Wir konnten…zur britischen army.

 

1/00:35:17

 

Und, das muss ich natürlich noch sagen, vom ersten Tag an haben wir Haganah-Unterricht gehabt und sind in die Haganah aufgenommen. Nach zwei Jahren waren wir alle gut, konnten alle Gewehre schießen, das konnten wir alles. Jetzt waren doch…die Zeiten waren nicht sehr schlecht, aber doch…da war Schießen und man musste doch herumgehen in der Nacht und so weiter. Nachtwache wurde gehalten. We participated, wir mussten eine Prüfung ablegen, wie das…we had British…gafirim. Gafir, das ist, ich glaube, ein arabisches Wort, das waren die Soldaten, die…eigentlich Polizisten, die die britische Regierung…wie sagt man, nicht aufgenommen…recruited. Das waren jüdische…und da waren Gafirim überall, die das…die Sicherheit des Kibbuz und der jüdischen Gemeinde behalten sollen. But man konnte sich nicht darauf verlassen…yes, man konnte sich verlassen and da waren so wenige und da war es die…als wir nach Israel, nach Palestine kamen, das war gerade das Ende von einer großen Unruhezeit. Man hat still geschossen, but nicht zu viel. Butotherwise it was schön. Es war nicht sehr weit vom ים כנרת [hebräisch: See Genezareth], das Jordan Valley, von der lake of…der See of Genezareth, they seemed to call it der Kinneret See. So sind wir manchmal schwimmen gegangen, wir waren im Jordan…im Jordan geschwommen und das Wasser getrunken. Warum wir nicht von Typhus gestorben sind, weiß ich nicht. [Lacht.] Aber apparently it did not do us any good.

 

Und da haben wir dann…viele haben was gelernt. Sozusagen ein…nicht ein Handwerk, denn ich war Gärtnerin, ich habe im Garten gearbeitet, Gemüsegarten, das war mein Job. Gemüsegarten und dann whatever. Und Kulturnik. So nach zwei Jahren sind einige weggegangen, einige in die Stadt gegangen, einige sind zu Familien gegangen, einige sind in die Armee – die britische Armee – gegangen, eine ist sogar Ferien gegangen und wir sind eine Gruppe von vielleicht 25 geblieben. Wir haben beschlossen, wir wollen auf Ansiedlung gehen, das heißt, wir bleiben noch ein Jahr in Afikim auf Hachschara – Vorbereitung – und dann Grund suchen oder uns eine andere Gruppe, einem jungen Kibbuz, mit denen…25 ist nicht genug…mit denen wir uns vereinigen können und auf Ansiedlung gehen. Und da haben wir eben eine Gruppe gefunden, die hat Anglobalti geheißen, die war auch auf Hachschara…schon fertig…und die waren ein bisserl [bisschen] älter, so…die waren nicht Youth Aliyah, die waren einfach Einwanderer auch von Tchelet, Blau-Weiss, von England…Anglobalti. Die Hälfte war von England, die andere Hälfte war von den baltischen Städten, Estonia, mostly Estonia and Latvia. Not many from Litauen. Das waren…die waren in youth movement, in Jugendbewegungen ihr ganzes Leben, die waren schon Zionisten gewesen, die konnten eben die Auswanderung before the Krieg…und die haben sich eben versammelt in diesen…in Benjamina, das ist eine Stadt, eine von diesen schönen Küstenstädten. Da haben sie dort so einen genannten…einen Stadtkibbuz gegründet und gewartet, um Land…land was not…Land war nicht immer möglich zu kriegen, man musste warten, für die Sochnut, für die Jewish Agency oder vom Keren Kayemet und The Jewish National Fund, um Ansiedlung zu kriegen. Land wird dann angekauft. Und wenn das Land da war, konnten Gruppen…wir waren natürlich sehr bemüht darum, man macht jeden effort, man will…we wanted alle Ansiedlungen, especially an Grenzen.

 

1/00:39:58

 

So we joined this group und diese Gruppe wollte nach…in den Galil [Galiläa] gehen, die hatten…Galil. Und da war ein Platz, das heißt [unklar]. Das Land hat der Sochnut gehört, dem Keren Kayemet gehört. Ich meine, die Kibbuzim do not…die besitzen das Land nicht, das Land…alles Land gehört dem Keren Kayemet oder der Jewish Agency. Sie kriegen es für neun to 90 Jahre, you know, sie sort of rent das Land, but the land belongs to the State of Israel. So, die haben Land gehabt im upper…im oberen Galil und das Land…aber, das Land hat einem Effendi gehört und der hat das verkauft, der Effendi…war das so ein…also, er war sehr reich, er hat ein Haus gehabt, im…now ist es Kiryat Shmona, man hört es oft in den news, da viel geschossen, ist an der Grenze. Damals hat es Al-Khalisa geheißen, im arabischen Namen. Das war so ein kleines arabisches market town. Er hat dort nicht…er hat einen Palast…nicht Palast, ein Haus dort gehabt, sein Bruder hat dort gewohnt, er selbst hat in Beirut gewohnt oder in Frankreich, die haben…but das Land hat ihm gehört und er hat es dem Keren Kayemet verkauft und wir wollten uns dort ansiedeln, but die Jewish Agency wollte uns nicht ansiedeln lassen, weil es so…sehr malariaverseucht war, das ist an dem Ende…Nähe von den Hula swamps. And die wussten nicht ob wir dort siedeln können, außerdem gab es einmal ein bisschen Streit mit seinen Pächtern. Wir hatten nichts mit den Pächtern zu tun gehabt, die Pächter waren…er hatte sie einfach weggeschickt. That is what they did, the effendi, he did not care. Die waren schrecklich arm, haben viel gearbeitet und mussten viel von dem, was sie von…was sie erreicht haben, mussten sie an den Effendi abgeben, als Pacht. So wie es in Europa vor…in the middle ages, was weiß ich. Und sie haben immer Dörfer, arabische Dörfer…herum…und da war ein תל [hebräisch: Hügel], ein תל ist actually ein geologischer Begriff. תל is Hebrew, es heißt „ein Hügel“. Weil, wenn man in…archeological, wenn man ein תל ist, das means, da ist wahrscheinlich eine alte Stadt, irgendwas. Und da…that builds itself up and it bekommt ein Hügel. And so this is now an international… .תל

 

Und da war ein תל und die Sochnut, die Jewish Agency hat halb…hat einiges auf dem Land einer österreichischen Familie gegeben, Schwarz haben sie geheißen. Die haben fish ponds…die waren experts on fish ponds. Und die haben dort fish ponds gebaut und Fische transportiert. In die Städte immer, sind mit Tanks in die Fisch…und die haben halb das Land gehabt und halb…die Hälfte von dem תל hat ihnen gehört und wir haben auf der anderen Hälfte von dem תל gewohnt und wir konnten das Land bearbeiten, und alles, but wir konnten keine…es war nur zeitweilig…wir konnten keine permanent…keine Siedlung machen, weil wir so…they did not agree…es waren Streitereien mit den Arabern, Streitereien mit dem Effendi…nicht mit dem Effendi, der Effendi wollte schon auf das Land werden, aber die arabischen Dörfer wollten…sind durch…die [unklar] you know, [unklar], water buffalos. Es war am Jordan River, am upper Jordan River das Land und da waren viele…nicht sehr viele arabische Siedlungen, Dörfer…ich weiß nicht, wie ich das vorstellen kann, da sind usually mud Häuser und es sind sehr konzentrierte Häuser…es riecht nach Rauch, because they constantly burn…that is what they use for cooking, it was very poor Arabs, not the Effendis, not the rich ones in the cities, they were very wealthy. And in the city studio…there were really very poor villagers. The way you see, they had buffalos, and they had some goats, I think and they drove the buffalos out and the buffalos went over the land, which belonged to Keren Kayemet, and there was constantly some…not…so that is why they did not want us to settle. It was not clear if we could really work the land, ob wir das bearbeiten konnten. So, das hat sich ein paar Jahre hingezogen, aber wir waren sehr freundlich mit den Arabern.

 

1/00:45:32

 

Ich bin eine חובשת [hebräisch: medizinische Assistentin] geworden, eine…wie ein fetcher, eine nurse. Not because I…nicht weil ich studiert habe, aber weil it was needed, they needed somebody, I said: „Gut, ich mache es.“ [Lacht.] So habe ich meine Erziehung bekommen. Und es waren…und so habe ich…wir hatten sehr viel Malaria natürlich gleich. So I had to…musste ich die Blutproben nehmen und Arzt haben wir keinen gehabt, aber da war ein Arzt in einer anderen Siedlung. Elektrische…die haben wir auch nicht gehabt, aber wir hatten morse, you know, ich habe ihnen die Blutsamples geschickt und in der Nacht hat der morse geleuchtet und sagt: „This person has malaria quartana, tertiana, whatever“ – sind verschiedene strings of malaria. Weil jeder hatte Malaria, that is it. Wir waren sehr careful…nicht raus in der Nacht, lange Ärmeln, lange Hosen, lange Hosenstrümpfe und doch waren so viele Moskitos und so malariaverseucht, that alle haben Malaria bekommen, alle. Das hat uns weiter nicht gestört, nehme ich an, das war…etwas…that is the way it was, period.

 

Endlich nach ein paar Jahren und vielen Diskussionen wurden wir erlaubt…kriegten wir Erlaubnis ein permanent…ein settlement zu bilden, einen Kibbuz zu gründen. Und da war damals gerade die Sache von Leon Blum. Man wusste nicht, ob er gelebt…ob er am Leben war oder nicht. Er wurde verhaftet, er war der Kanzler von Frankreich und die Deutschen hatten ihn verhaftet und er war in einem Konzentrationslager oder einem Verhaftungslager und man wusste nicht, ob er noch am Leben war oder nicht – er war am Leben in Kebat, wir haben das nicht gewusst. So the Keren Kayemet, they got money from…we should name the new Kibbuz Kfar BlumKfar is village, Blum village. So we became Kfar Blum and we started after many, I do not know, three, four years, which we just worked the land and did nothing, we became…started to build. Not at the תל, the תל was not big enough, but next to the Jordan, there was a…on the shores of the Jordan River, the Jordan River war nicht sehr groß, and we drank the water, ich weiß nicht und it was…full of [unklar], water buffalos. The Arabs had the water buffalos…they all lived and then everybody…canalisation hat es nicht gegeben und so weiter und so weiter. But somehow we seem to have survived. We had only one case of Typhus. Aber sehr viel Malaria, ununterbrochen Malaria natürlich. Ich war die Krankenschwester damals.

 

But life went on, it was okay, slowly we built houses und die Kinder und…die Mütter und die Kinder konnten noch nicht kommen, die waren noch immer in Benjamina, es war noch zu gefährlich für sie. Dann endlich sind sie doch gekommen und dann, was auch geholfen hat, bevor man wusste, dass es so schädlich ist, was DDT…DDT, which is now verboten. Because Vögel tun…it is poison. But it killed…it hat alle die Moskitos…außerdem sind die Araber weggezogen und für Malaria…Malaria braucht ein Mittel, wie sagt man, ein Mitteltier. They have…the mosquitos has to…Stiche, or whatever…stechen, and then this…eine Kuh oder ein [unklar]…und dort entwickeln sich die Dings, diese Larven, whatever they are und then another mosquito sticht and gets the blood from the human and that got it transferred. So, with the loss of…weil die [unklar] weg waren und die Araber weg waren und sie nicht in unsere Dörfer…die waren noch in den Dörfern, aber nicht in diesen besonderen Ländern, dann DDT…und dann hatten wir bessere Häuser…wir haben Häuser gebaut. Jede Familie hat ein Zimmer bekommen – nicht alle, aber most Familien haben ein Zimmer bekommen. Vorher hatten wir keine, wir hatten nur so Hütten gehabt. We got rid of the malaria more or less, very few…Felix, my husband, Jochenen was his name…I was not married at that time, but he came with us and he went to the Palmach, he did not go to…he was in the Palmach or almost all his life in Israel…and you know what the Palmach is? Palmach was the elite of the army, the one who did the…you know…all this…the first presidents and rulers of Israel all came from the Palmach, they were all warriors and all this and I knew a lot of them personally. Well, he left…well, he did not leave, he was still a  חבר[hebräisch: Mitglied], a member of the kibbutz, but he went to the Palmach. Some went to the army, some went to the Palmach, everybody went to give…not all, but they usually did…as Jewish, you should give about…a few people to the…sometimes they deputised gafirim and so on, but everybody did. And the rest just trained and things.

 

1/00:52:12

 

Oh, he had a lot of malaria, Felix, he had so much malaria that they decided to make…we did not have a doctor, the doctor was in the neighbouring kibbutz. The doctor was Dutch and he worked a lot in Dutch…in Indonesia and he was very familiar with malaria and he wanted to try to let him have malaria without quinine…just not give him anything, let it work out. So that is what we did. And the poor man, he was very sick, he had attack after attack after…constantly. I guess he was maybe two weeks in fever, high temperature. In the end it stopped and he never got another attack again, so…we had tertiana, quartana, tropica, all three kinds of malaria. Tropica is you have an attack all the time, very short. Tertiana is you have it every third day…there are various meanings of what is malaria. Now they have a lot of different medications and as a matter of fact I went…three years ago we were in Africa, on a safari, Felix and I, with the Audubon Society. And we had to take little pills, just one little pill every day, not to get malaria. I do not think I can ever get it again, because I had so much malaria that I think I have enough. I cannot give blood, for instance, I cannot give blood, because…see, I could give, I am sure nothing will happen, but that is the rule. Contribute blood. Well, anyway, life went on and we had a very…the kibbutz grew and grew, we built fish tanks and so on. And children came…it was a big settlement, Kfar Blum. We had a very good relationship with our Arabic neighbours, with the villagers. They all came to me – I was in charge of the dispensary – and they all came to me when they needed some pills or needed this or needed that. Yalla, yalla [unklar]! You know, they did the injection…“no, no pills! [Unklar]!”, “shoot”. [Lacht.] And you know, we had really good relation…I must say, we had…

 

Well, I could walk…we did not have…in the beginning there was no road, there were just the mud roads, the bus could not come, the bus was on the main road, which was no great big deal either, to the upper Galilee. From there you had to walk in the mud, sometimes there was a horse and wagon. And we had to walk through the Arabic villages at night – absolutely no problem, we were good neighbours. Their quarrel was not with us, their quarrel was with their Effendi. And they got hemp from us, and they paid a little bit and they…work and…absolutely no …when somebody stole our horses, they told us who it was, “it is not us, these are the ones”…there was a…in the mountain there was a village and they were horse thieves, they said, “they stole your horses”. And life went on, I had two children. Felix was in the Palmach forever and we got married and stayed…and then I got recruited in the army, too, they needed somebody for the…they put me in charge of the civil defence of upper Galilee, mostly first aid and stuff like that and I had to go to places. Then we were both in the army, before I had the children.

 

1/00:56:21

 

[Übergang/Schnitt.]

 

Ich war schon vorher natürlich in der Haganah…ich war verantwortlich im Kibbuz für den slick…ich weiß nicht, wie man das übersetzen kann. Unter der britischen Regierung durften wir doch keine Waffen haben, aber natürlich mussten wir Waffen haben, denn wir wussten, sowie die British gehen, sind wir…we are dead meat, as you say. So hatte natürlich jeder Kibbuz Waffen, die waren aber vergraben. Die waren eingewickelt in Säcke und so weiter und die waren…ganz über…vergraben. Und nur sehr wenige Leute wussten…einige Leute wussten, wo sie sind and they took care, einmal im Jahr hat man sie ausgegraben und geputzt, so I was in that…that is what I did. Ich wusste, wo alle die Waffen waren und so…und solche Sachen halt. Und außerdem haben wir alle trainiert und dann bin ich auf einen Kurs gegangen für…I became a…unterrichtet in small firearms…I was ein instructor für small firearms, like Gewehre und Tommy guns und Revolver, diese Sachen. Wir hatten ja keine…viele Waffen. Die Waffen, die wir hatten, die Gewehre, hat man entweder gestohlen von den Gafirim, von den British, oder hat sie von den Arabern gekauft. Die Franzosen waren damals in Libanon und wenn die Franzosen…die haben arabische Truppen gehabt…und die Franzosen sind weg und die Deutschen sind gekommen, die Araber haben alle verlassen, haben uns ihre französischen Gewehre verkauft. [Lacht.] They did not care, so we had French Karabiner shortly und sehr lange ein British…und später…that was before the State of Israel.

 

And alas there was once in a while some shooting, aber nichts…in unserer Gegend, wo wir waren…wir haben sehr gute Nachbarn gehabt. Wir haben Fleisch bei ihnen am Markt gekauft und sie sind zu uns gekommen, wenn sie Hilfe gebraucht haben und wenn unsere Wagen im…versunken waren im mud – im Kot – weil der Weg so schlecht war, sind sie gekommen und haben geholfen. Ich sage dir, wir hatten gute Verhältnisse, ich weiß nicht, wie sie…because wir hatten gar nichts Feindliches mit ihnen zu tun, wenn wir ihnen helfen konnten, haben wir ihnen geholfen, wir haben ihnen nichts getan. Aber sie waren wirklich sehr arm, muss ich schon sagen. Diese Dörfer, wenn man in der Nacht durchgegangen ist, der Geruch, es war Rauch…sie haben Stroh und solche Sachen verbrannt, das war die Hitze. Und Hunde, so viele Hunde, die haben alle gebellt. Köter, weißt du. Wenn man so durch ein Dorf in der Nacht gehen musste – nicht, dass man das wollte – aber weil irgendein Wagen gebrochen ist und halt keine…das war schrecklich, im jungle, und dieser Geruch. Aber es war nicht gefährlich, ich sage dir, ich bin…wir haben uns bemüht, wenn wir ins Dorf gegangen sind, keine kurzen Hosen zu tragen. Um sie nicht…we tried to be good neighbours. But da ich eine Krankenschwester war – das war noch vor der Armee – und wir hatten keinen Arzt, aber der Arzt war in einem neighbourhood Kibbuz…da waren viele andere Kibbuzim…und da bin ich mit ihm…und er ist einmal im Monat zu allen in die arabischen Dörfer gegangen. Die hatten keine Ärzte, die hatten gar nichts. Effendi…they were very poor, wir haben alle Mitleid mit ihnen gehabt. Die waren decent people and poor. Sie haben gesehen, dass man so nicht leben muss. You know, da kommen die Juden und die bauen Häuser. Wir haben auch alle gearbeitet, das haben sie schon gesehen, so warum können sie es nicht so haben? Es war wirklich…weil jemand anderer das Geld genommen hat, der Effendi hat in Beirut oder irgendwo in Frankreich gewohnt.

 

1/01:01:10

 

Und da sind wir dann einmal im Monat ausgeritten, zu den Dörfern, das war immer sehr lustig. Herr Doktor und ich. Und dann sind wir in das Dorf gekommen, da war der Muchtar, der Bürgermeister. Sind wir immer zum Bürgermeister gegangen seit vielen Jahren…die Kranken wussten schon, also hat er alle Kranken dort versammelt in seinem Haus und die…aber wenn eine Frau krank war, ist immer der Mann gekommen und…I had to do it, the doctor could not touch her, but I could. So hat er sie doktoriert and then am Ende haben wir immer eine Mahlzeit gekriegt, ein festive meal. Und gewöhnlich sind wir so am Boden gesessen und sie haben großes Dings…Couscous und lentils, war sehr gut. Wir haben nur gehofft, dass sie keine Gabeln haben…einige haben Gabeln gehabt und das…es war besser, wenn man keine gehabt hat und mit Pita und Händen gegessen hat, because wir wussten, dass…unsere Hände sind rein. Und die Pita ist rein, aber wir wussten nicht, wo diese Gabeln…vielleicht im Jordan gewaschen sind. I mean, it…so we said, “we do not need the…no, we want to eat like everybody else”. Aber es war gut und nice, very nice.

 

So that is what I did most of the time, before the settlement, I was a nurse. And then I went to a course [unklar]. So, Felix was not home, he was all in Palmach, so…denn er war in the Palyam, Palyam is the so called…the beginning of the Israeli Navy. And they went near Haifa, in Caesarea. Und er hat boats…sailed in the Mediterranean and they helped to bring illegal immigrants in. When the boats came at night they had to try to…the British had a blockade, you could not come in, but if they could breach the blockade, then the people had to be transferred by boats or they jumped in the water, they threw them in the water. Quick, and somebody got them. It was very…a hassle…they did not lose any people, but you know, sometimes it was very sad, very bad, people could not come. If they caught them, if the British caught them, they were transported to Cyprus, in [unklar], like a…once a camp, they did not let them come…once in a while they could break the blockade and then they came to Haifa and so that is what he did. And he also was an intelligence officer then in the war, when they did not need this…when we had a real…or the beginning of a real navy, he became an intelligence officer and he blew up quite a few bridges in Lebanon. In the war…and others…he was in many, very bloody fighting in the war. So okay, finally…the kibbutz developed very nicely and was okay and we did…we had fish ponds and we had orchards and apples and vineyards and grain, tomatoes…transported it to the… to Haifa. And then children were born, we had a school, a normal feeling. Kfar Blum became quite a nice kibbutz.

 

[Übergang/Schnitt.]

 

Ende von Teil 1

 

 

Teil 2

 

SY: And then the war broke out and the State of Israel was declared. It was pretty much not in our area and I remembered, when we waited at the radio for the United Nations and they voted. It was really exciting. One state, one nation had to say yes and that was…and when this one nation voted yes, then we had the votes and the celebrations started. Shooting in the air and dancing: “We have a state!” Very exciting…very exciting. And the next day the shooting started again, the next day, not two hours later…the ambush of Jerusalem, of Tel Aviv, Jerusalem, the…they put blockades in, they tilt the first truck and killed them. The Arabs. That was the start. They closed the…down…and they had the…they put barricades on, stones. And that was just a few hours, it was the first…well, there were victims, others, but this…the first official victims in there. So there we had a war. Everybody went to…Felix went back, he was home by this time because he had…he was also an engineer, he built…self-taught, he was not an engineer, he was a high-school…he was a Gymnasiast, he finished…his family was kicked out of…Laa. They had factories there, they had also had factories in Czechoslovakia…and so he moved to Brünn. And finished Gymnasium in Brünn.

 

And then from there…he is a year older than me, so he somehow could finish his Gymnasium. And then he studied at the British Institute, on his own. He made himself, he was really an engineer, so he built the fish ponds in Kfar Blum. This is how people…a lot of Israelis were like this. They did not have the formal education, but they had the know-how and they were…these people do not exist anymore. These were the old חלוצים [hebräisch: Pioniere]. They did! They did not ask how something needed to be done and they did it, especially in the border section. So he went, left his fish ponds and went back to active duty in the Palmach. It was a very bloody fight. I too, was then recruited in the army…also went into the army. I was stationed in…where was it…in Rosch Pina, that is beginning of the Galil and I was in charge…well, I went wherever I was needed for first aid, I had a motorcycle and…can you imagine? [Lacht.] I could not have…went wherever they were fighting and they needed it and I was supposed to organise the civil defence stuff and…it was all very hard luck, though. [Lacht.] But there were enough resources and eventually there was an army. Got a lot of volunteers, people came from all over America, from Denmark, from…we had a lot of international volunteers. And the battle was fought until the first…a very bloody battle. The British, when they left, they built police stations all over the country, all over Israel. And the gafirim, those policemen, when their station was in an Arabic part, they gave it to the Arabs with their weapons and everything. If it was in a Jewish part, then the Jewish population got it with the weapons. The problem was that most of the police stations were in the Arabic part, there were very few, so they had already a big advantage, they had all the police stations and mountains and whatever and they had the weapons. And of course the five states invaded: Iraq, Egypt, Jordan, Syria, Lebanon. They all invaded. But they did not do much.

 

2/00:05:26

 

Their soldiers did not fight much. The only ones who fought were Jordan, because they were British trained, they had British officers. They were fighting us. The others, well some did fight, some ran away…they were promised: “It is a walk, you can get everything”. Iraqis, they had officers from Yugoslavia or from Poland, which…there was a revolution in Yugoslavia, Michailovic had to go, so a lot of his officers looked for other employment, so the Iraqis had officers from Yugoslavia, and they had from all sorts of these former fascist countries, where they had the free…they looked and got the – Egypt, too – got employment. But they were no good. They were not very good fighters, they were…so, I do not know, you know the history. What a war…a bloody war, very bloody war. And at the end there was a…finally, United Nations got involved, they had a…there was a peace treaty – not a peace treaty, a Waffenstillstand, I think. I started to speak English all of a sudden…oh, I am sorry…tut mir leid, hättest du sagen sollen.

 

PR: Das macht nichts.

 

SY: Da war der Waffenstillstand und dann hat es wieder ein bisserl [bisschen] angefangen und dann nachher war nicht mehr so viel. Und dann, nach dem Krieg, sind wir alle nach Hause gegangen. Aber ich wusste immer noch nicht, ob meine Eltern am Leben waren. Mein Bruder und meine Schwester sind, kurz nachdem ich nach Palästina ausgewandert bin, nach Amerika gekommen. Da war kein…es gab einen Kindertransport nach England, aber nicht nach Amerika, das gab es nicht. Und da war eine Gruppe, eine Familie, die waren so freundlich mit Baruch und irgend…mit Regierung, mit Roosevelts Regierung. Und die haben gesagt, sie wollen fünfzig Kinder aus Österreich, deren Eltern auf ein Affidavit warten, herbringen…nach Amerika bringen, damit die Kinder weg vom Krieg kommen und die Eltern werden kommen. Und da haben sie das erreicht und so sind sie nach Wien gekommen und haben fünfzig Kinder gewählt. Und meine Schwester und mein Bruder waren unter denen.

 

Ich weiß nicht, wie sie gewählt haben, aber sie haben…ich will es lieber nicht sagen…do not ever say that they looked for kids who were blonde and blue-eyed, not typical Jewish…America did not want any Jews at that time. There were opportunities and anyway, my brother, my Schwester were from this group and so they were…kurz nachdem ich nach Palästina gefahren bin, sind sie nach Amerika gekommen und meine Eltern haben noch immer auf ihr Affidavit gewartet – ich meine, sie hatten das Affidavit, but sie konnten das Visa nicht bekommen, weil das Konsulat hat sehr große Schwierigkeiten gemacht, der amerikanische Konsul war sehr antisemitisch und hat zugesperrt und noch Papiere…it was just unmöglich, bis endlich der Krieg ausgebrochen ist, bis Amerika in den Krieg gegangen ist. Ich meine, Amerika war ja nicht im Krieg, nur zwei Jahre später glaube ich, nicht? Und so…das war das Ende, da haben sie doch noch versucht, das Affidavit zu kriegen…die Visa zu kriegen. Sie hatten das Affidavit nicht bekommen. Ich habe davon nichts gewusst, weil ich gar keine Verbindung mit ihnen, mit Österreich gehabt habe…natürlich, während des Krieges. Aber ich habe Verbindungen mit meinem Bruder und Schwester gehabt und die waren bei einer Familie in Philadelphia für einige Jahre…für ein Jahr und dann ist ein Cousin von mir nach Amerika gekommen, der war schon früher da. Und wie er sich selbstständig gemacht hat, sind sie zu ihm gezogen, nach Connecticut, und there they grew up. Ich war mit ihnen in Verbindung, aber wir haben nichts von den Eltern gewusst.

 

2/00:10:23

 

Das erste Mal, als ich von meinen Eltern gehört…ja, ich hatte ein oder zwei…Red Cross Briefe. Aber nichts gesagt, „wir sind am Leben…“, und dann habe ich auch kein Red Cross mehr bekommen. Und dann sind sie…die British haben, das war wie…they called it the Jewish Brigade. The British army…the Israeli wanted an army, like others, like the French and the British would not let them, but they had an internal…what they called the Jewish Brigade. In a British regiment there was a brigade, and they were Israeli Jewish. So the British Brigade, they fought in Italy. They fought in Anzio. And there were some…and then after the war…well, it was not right after the war, but the end of the war…they made it – when Mussolini was gone – into Austria and they had one of my friends from the Kibbuz…had my parent’s address and he looked my parents up and so I knew that they were there. They were still in their apartment and they gave him a ring and then he brought me the ring. So that is actually the first time that I knew that my parents were alive, because I had no connection. Dass sie noch am Leben waren. Sie waren noch in derselben Wohnung im neunten Bezirk in der Porzellangasse, und dieser Soldat – Jehuda Kemeni hat er geheißen – hat sie aufgesucht, er hatte meine Adresse. So, das war mein Kontakt. So then we did…versuchten wir, meine Schwester und ich, in Amerika und ich schon in Israel, sie herauszukriegen. Und so hatten wir beschlossen, sie sollten, wo es am ehesten geht, fahren. Ist nicht wichtig, Amerika, Israel…wo man sie halt herauskriegen kann, sollten sie herauskommen. Aber das war noch nicht Israel zu dieser Zeit, es war noch Palästina, so musste ich noch ein Zertifikat kriegen und das hat gedauert und gedauert, und es hat vielleicht beinahe ein Jahr gedauert. Meine Schwester ist 21 geworden und als sie 21 war, wurde sie eine amerikanische Staatsbürgerin. Und als Staatsbürger konnte sie ihre Eltern auf einem…wie man sagt, ein preferred Visa kommen.

 

Denn, die Amerikaner, even nach dem Krieg, die Leute konnten nicht hin, dafür haben sie still das Affidavit, die Quoten gehabt und wenn man auf einer österreichischen Quote war, musste man halt warten, regardless ob man in einem Lager war oder was weiß ich. There just was no…da waren wirklich, ich glaube, das war die einzige…war einer der größten Gründe, dass man nachher Israel zu einem Staat gemacht hat. Da hat man gedacht, da können die Juden irgendwo hingehen, denn niemand wollte sie wirklich. Es war sehr schwer irgendwo hinzugehen, sogar wenn man überlebt hatte, waren die Leute in Lagern und was…well anyway, so that is, was passiert ist, sie hatten endlich ein Affidavit bekommen, ein Visa bekommen, und mein Vater war sehr krank, er konnte…er war Herzkrank before und er hatte keine Medizin gehabt. Und so sind sie dann nach Amerika gekommen. Und ich habe sie im Jahre…[19]49 habe ich sie besucht. Für ein…aber das war auch so eine Geschichte mit Amerika. Die Russen sind ja nach Wien gekommen. Und meine Eltern waren noch in ihrer Wohnung und sie durften nicht…meine Mutter hat sich Papiere verschafft, so hat mein Vater überlebt. Meine Mutter was Christian geboren. Ihre Familie ist von Moravia…von Mähren, glaube ich, oder von Böhmen. Sie ist dort in dieses Dorf gefahren…die haben doch sehr gute Aufzeichnungen in Kirchen…das ist in den Kirchen geschrieben. So hat sie einen drei, vier Generationen Arierausweis bekommen. Und mit dem hat sie Brot bekommen und sie hat gearbeitet in einem Brot…bei den Leuten, wo ich als Dings gearbeitet habe, hat sie gearbeitet. Hat sie Lebensmittelkarten gehabt und so konnte sie Lebensmittel kriegen. So hat sie meinen Vater erhalten, und andere Leute, too, weil er hatte keine Lebensmittelkarte. Er hat illegal in der Wohnung gewohnt. Die Hausmeister haben es gewusst und ja…sort of helpful, aber es war nicht eine legale situation, but durch ihre Zeugnisse hat sie gearbeitet und so sind sie gekommen. Die Familie [unklar]…wie die Russen gekommen sind…sie spricht Tschechisch, konnte Tschechisch sprechen, konnte sich mit ihnen verständigen, haben sie große Freundschaft gemacht mit den Russen, and they got some medication – die sind immer auf Kaffee gekommen.

 

2/00:16:09

 

Und dann ist mein Vater nach Baden gefahren, um zu sehen, was mit unserem Haus dort los ist. Das Haus war ausgeräumt, aber er ist zur Stadtgemeinde gegangen, hat gesagt: „Das ist mein Haus. Die haben es mir weggenommen.“ Haben sie gesagt…die Russen waren dort. Das war sein Glück, die Russen haben gesagt: „Das ist dein Haus? Nimm es zurück.“ And gave him the house. The house in Baden. Natürlich, es war nichts drin, alles war gestohlen, aber immerhin hat er das Haus sofort verkauft. Das war gerade das Geld, das sie brauchten, um nach Amerika zu fahren. So that was the end of my…that is the…he just sold it for whatever he could. Aber wenn die Russen nicht dort gewesen wären, hätte er es nicht gekriegt, denn die Amerikaner waren sehr etepetete, wie man sagt. [Lacht.] Ist gar nicht so einfach, aber der Russe hat gesagt: „Das ist dein Haus, ja? Schwörst du es?“ Und die Leute haben gesagt: „Ja ja, das ist das Braun-Haus“, Breitnergasse 8, ich kann mich sogar noch erinnern…so hat er das Haus bekommen. Sonst haben wir nichts bekommen, wir hatten auch noch andere Besitze, but anyway…wenigstens hat er es sofort an Ort und Stelle verkauft. Und mit dem Geld sind sie nach Amerika gekommen, eventually.

 

Und ich habe sie nachher besucht, in [19]49. Sehr große Schwierigkeiten gehabt, um ein Affidavit zu bekommen, das war schon nach dem Krieg und alles, aber da ich kein…wir hatten keine formale Hochzeit, wir hatten Hochzeitpapiere, aber es war nicht nach dem britischen Standard, oder dem amerikanischen. So I had to get all sorts of papers – alle möglichen Papiere – to prove, dass ich verheiratet bin und, dass mein Mann hier bleibt. Der hat gesagt: „Gott verbiete, ich will nicht nach Amerika fahren und dort bleiben.“ So schwer war das. So habe ich ein Visa bekommen, Besuchsvisa, und er nicht…er wollte ja sowieso nicht. Bin nur ich gefahren. Da war ich ein halbes Jahr hier in Amerika bei meinen Eltern und habe mich sehr gefreut. Geld habe ich keins gehabt, aber gegessen habe ich, ich habe gesagt: „Jetzt esse ich alles, was meine Mutter kocht, was wir nie gehabt haben.“ [Lacht.] Apfelstrudel und Knödel, sonst kann ich eh nicht, das nehme ich mir mit. Ich war so fett, wie ich zurückgekommen bin. War so lustig, ich bin gleich schwanger geworden und niemand wusste, dass ich schwanger war, ich war so fett. Alles, das gute Essen, das sie ja…food…Essen war nicht sehr gut zu dieser Zeit in Israel. Man musste alles importieren und da war kein…man hat Orangen, Tomaten, Gemüse, Milchprodukte, so was gab es schon, aber Fleisch gab es keines, wir hatten…had to be imported. Da war noch kein Geld…jetzt kriegt man alles, klar. Ich habe gestern…war ein Film an der TV, ein Israel-Film, wo da…jetzt ist es gar kein Problem…sie haben aber…Landwirtschaft war man…ist da nicht genug zum…ich meine, es war genug für Gemüse und solche Sachen, aber für Herden of Vieh, of Kühe, oder Stiere, so was gab…da war kein Platz dafür, so food…Fleisch musste gewöhnlich importiert werden, da war nicht sehr viel Fleisch. Aber es hat sich sehr schnell geändert…sehr, sehr schnell geändert. [Vogelpfeifen im Hintergrund.]

 

2/00:20:24

 

Well, ich bin zurückgegangen und ich hatte zwei Kinder…wir hatten zwei Kinder und Felix hat Fischteiche gebaut und ist jedes Jahr noch einmal in die…gegangen und da war noch ein anderes…ja, ich war auch nochmal in der Armee, in Safed, und da war eine Siedlung, da waren viel…ich habe viele Verwundete gesehen an der Front. People who got shot. Und endlich war Frieden, so to speak and Israel became normal. Ich kann mich erinnern, da war irgendein Mörder in Tel Aviv und die Leute said: „Na, Gott sei Dank, wir sind schon normal, wir haben sogar schon Mörder!“, you know, man wollte schon normal sein. [Lacht.] Und die Einwanderer sind gekommen…viele, viele, viele. Es war sehr kompliziert. Hunderte von Leuten sind…Tausende, Millionen. Aber man hat sich aufgerappelt, die Leute waren…man wusste, es ist nicht leicht und man tat, was man konnte. Und so dann…life was fairly normal, in a kibbutz, in a commune, the way it is. Children…and we worked a lot and we had Anglobalti…we had Leute von…unsere Mitglieder, erste…wir waren Wiener, Österreicher und Tschechen, nicht sehr viele sind geblieben, aber doch. Und dann Anglobalti, mit denen wir uns vereinigt haben, die waren von England und da waren viele Amerikaner. Dann sind Amerikaner gekommen und dann Baltikum, so das war eine…ein großer Mischmasch von vielen Kulturen, und so…aber es ist gegangen, wenn das…dann haben sie etwas gekocht, was den Amerikanern geschmeckt hat, haben sich die Balten empört, dass es nichts Essbares…it was the usual things, but in general it was a very well working kibbutz. We had…we lived on the Jordan Valley, we had orchards and vineyards and fields and then berry…everything. Horses…children had schools and life was very normal, more or less.

 

And then in [19]49…no, this was not in [19]49, this was…in [19]56 we wanted to…wollten wir meine Eltern besuchen, die haben die Kinder nie gesehen. Felix und…wir haben um ein Visa angesucht und eventually haben wir es bekommen und meine Eltern waren noch in Amerika, meine Schwester hat geheiratet, aber wir haben…wir konnten Urlaub vom Kibbuz bekommen, aber kein Geld. But we had some…Felix arbeitet…hat nebenher gearbeitet. Ja, er hat die…Felix made [unklar] das Gewässer…die Bewässerungsanlage vom Hasbani to the Jordan River, he designed it, and built it, and he worked for the waterworks there. Anyway, so we came to America and saw the grandchildren and the parents and…[19]56, a long time. We stayed here…I did not want to stay, we had not the slightest intention of staying, but Felix wanted to study, so he started studying. He already wanted to study in Israel. At that time when he was finally finished with the army, he went to the Technion. And they told him: “Look, we have so many young soldiers who need to study, you are just old. Well, you are already grown up and old, you have your life.” And they did not give him a space…he did not get accepted in the Technion. He was…es hat ihn sehr gekränkt, and er kommt von einer Familie, sein Vater war Ingenieur und jeder war etwas, Professor this und Doktor this und Ingenieur that. Er hat sich sehr schlecht gefühlt, dass er sozusagen ein einfacher Bauer ist. Er war mehr als…wenn er talentiert war, konnte er mehr machen, aber er hatte keine Papiere. Da hat er beschlossen, er will studieren und hat alle seine Sachen mitgebracht, hat Brief…hat brieflich im British Institute studiert. Das kann man durch die Post machen. Dann hat er irgendwelchen credit bekommen und dann hat er beschlossen, zu studieren.

 

2/00:26:12

 

Ich wollte nicht wirklich, ich habe nicht die geringste Absicht gehabt in Amerika zu bleiben, es war wirklich nur ein Besuch, but er hat versucht…wir waren in Bridgeport und da war eine Universität, eine Privatuniversität…also, ich meine, eine staatliche Universität, das hätte er nicht machen können. Eine Privatuniversität…und da hatte…wollte er sich dort einschreiben und er sagt: „Was, du hast aber keine Papiere. Du hast keine High School.“ But die haben das British Institute anerkannt, die credits, die er dort gelernt hat. Dann: „Gut, wenn du es machen kannst, we will see.“ So, da ist er ein Semester in das Bridgeport…in diese private Universität gegangen…hier sind Staatsuniversitäten und private Universitäten in Amerika. Die Staatsuniversitäten sind sehr auf die Papiere und so weiter, aber diese Universität hat gesagt: „Wenn du es machen kannst, dann hast du das British Institute.“ So he went there…er ging für ein Semester da und dann war er in Umschulung, dann hat er alle Papiere gehabt und wir sind nach Storrs gegangen, University of Connecticut. Und er hat dann studiert an der University of Connecticut, hat seinen BS bekommen, und sein MA und sein PhD. Er war der erste graduate in der University of Connecticut, der ein PhD in Engineering bekommen hat. Das war eine große Sache, Zeitungen sind gekommen, und I have a…ich habe ein Bild von der Zeitung von der Hartford Journal…der kleine Uri, der war damals six…sechs Jahre alt…über den Platz gebrochen…you know, damals die graduation war outside, es war noch eine kleine…Universität war nicht so groß, wie er da hingerannt ist und wie er sein…Zertifikat kriegt und der Uri rennt, so klein, zu seinem Vater. It was nice. So, this is it and zu meinem großen Bedauern sind wir hiergeblieben. Ich wollte nicht bleiben, but you know, okay we had…er hat sein degree, aber Geld haben wir keines gehabt, er hat…ich, als ein…a visitor, ein Besucher, konnte man nicht arbeiten. Jetzt kümmert sich kein Mensch darum, every hispanic works, aber das war noch sehr…die waren sehr law-abiding citizens. Also, als Besucher…auf einem visitors’ visa kann man nicht arbeiten. But Felix erhält ein Studentenvisa und mit einem Studentenvisum darf man ein paar Stunden arbeiten. Weiß nicht, zwanzig Stunden in der Woche oder so, ganz wenig. So, er hatte die Erlaubnis bekommen, zwanzig Stunden zu arbeiten und er hat gearbeitet. Das war genug, dass wir davon leben konnten.

 

Die University of Connecticut, sehr schön. Bis er fertig war, dann hat er PhD bekommen und weil er gearbeitet hat…weil er studiert hat, hat er Vermessungen gemacht. Vermesser, Landvermesser. Da war viel Arbeit für Landvermessungen in Connecticut, die sind sehr erpicht auf ihr Land und jeder will vermessen und so weiter. So ist die ganze Familie Land vermessen gegangen. Er hat das gemacht, wir sind mit der Latte gestanden und der Ben ist mit der Latte gestanden. Made a few dollars, er hat was verdienen sollen. So haben wir ein bisschen babysitting und solche Sachen. Haben uns aber ganz gut…wir haben nie gefühlt, dass wir arm sind, because, ich glaube Amerika hat man ein bisschen andere Stellungnahmen gehabt. Does not matter, if you work, you work. Wir haben doch immerhin mal an einem Universitätscampus gewohnt, somehow, und haben…Gesellschaft war nice. Da hat es was zu tun gegeben, hat es Theater gegeben, hat es Konzerte gegeben…university campus, it is nice. Und dann, als er fertig war, musste er amerikanischer Staatsbürger werden, damit er seine engineering license kriegt. Ich bin es aber nicht geworden. Er ist es geworden und Ben was born there. Ben, mein amerikanischer Sohn, wurde in Connecticut geboren, weil wir da an der Universität waren. Und ich habe begonnen…dann konnte ich arbeiten.

 

2/00:31:25

 

 

Ich weiß schon, nach fünf Jahren, nachdem wir lange Zeit da waren, ich weiß nicht wie lange, I could…konnte ich, wie heißt denn der…my blue papers, wie heißen diese papers die man kriegt…permanent resident…ich konnte es kriegen, weil meine Mutter amerikanische Staatsbürgerin war. Mein Vater ist kurz nachdem wir gekommen sind gestorben. Aber meine Mutter ist Staatsbürgerin geworden, amerikanische Staatsbürgerin. Und ich war die Tochter einer Staatsbürgerin, so I got my green…ich glaube, es ist die Green Papers, heißen sie, irgendwie heißt das. Das ist permanent residency. Und wenn ich…nachher, weil ich permanent resident war, konnten es Felix und die Kinder kriegen. Benny was resident…Benny was a citizen, because he was born there, but Felix could get it because I was a permanent resident, and I could get it because my mother was an American citizen. So he got his residence, too and the kids got it, too. And when he finished…als er fertig war mit dem Studium und sich um einen Job umgesehen hat, hat er ein offer von Albany, New York, mit dieser Firma, bei der er dann ein Partner geworden ist, wo er dann den Northway gebaut hat und da musste er dann ein citizen werden, damit das eine…die hatten viel Staatsarbeiten gehabt mit dem Staat von New York und die haben gebaut.

 

So he became…so wurde er ein amerikanischer Bürger und die children auch, haben sich declared…ich nicht. Ich habe mich geweigert, ich habe ja noch immer gehofft, nach Israel zurückzugehen, ich war sehr…nicht sehr glücklich. Ich meine, ich habe nichts gegen Amerika gehabt, aber ich hatte doch gehofft, dass, wenn er fertig wird…aber you know, when he…als er mit dem Studium fertig war, hat der Uri schon College begonnen, [unklar], und die Kinder sind hier aufgewachsen, meine Mutter hat noch gelebt. Sie war hundert Jahre beinahe, also, es war sehr schwer sie…alles zu verlassen. So, ich habe mich noch hingeschleppt. Und so hat er natürlich…war er Partner in diesem Geschäft und dann hat er sich…er wollte aber eigentlich ein scientist, das war so…but he had für den Staat of New York viel gebaut, und dann ist er Professor…hat er eine offer bekommen als Professor in der State University of New York, which is…New York State hat…sind four große Universitäten, und dann gibt es viele kleinere Colleges. All in all vielleicht zwanzig, ich weiß nicht, wie viel. Und er war bei einer von den großen, war in Binghamton, New York und er hat ein offer bekommen, dort eine Engineering School zu gründen…post-graduate Engineering School. To make it so…da hat er die partnership verlassen und hat sich mit dem beschlossen…das hat ewig gedauert, bis es angefangen hat, so hat man ihn zum Bureau of Standard geschickt, National Institute or Bureau of Standard it is called now, es heisst NIST, National Institute of Standards. In Gaithersburg, it is one of the big institutes, the government institutes. And he…dort hat er begonnen, zu arbeiten und das hat ihn…I mean, they do Forschungen and wichtige Sachen, das hat ihm besser gefallen. So hat er beschlossen, er bleibt hier und da ist er aber ein Spezialist für earthquakes, and floor, and earth movement. Jedesmal, wenn eine Brücke irgendwo eingefallen ist, ist er hingefahren. Nach San Francisco, oder wherever die Brücken gefallen sind.

 

2/00:36:09

 

[Übergang/Schnitt.]

 

So sind wir eventually…sind wir halt geblieben. Die Kinder sind schon da aufgewachsen, Ben ist hier geboren und Jahel war drei und Uri war fünf, als wir herkamen. Und die sind wirklich Amerikaner. Sie sind Amerikaner. Interessanterweise ist der Ben, der in Amerika geboren ist, am ehesten Israeli, der ist besonders…der nach Israel geht und wir tun viel mit ihm und so weiter. Er ist der…er ist aktiver als die anderen. Aber wir haben viele Verbindungen zu Israel, ich fahre alle paar Jahre hin und ich habe Familie dort und Freunde und so und…ich fühle wirklich noch als Israeli citizen. Vor einiger Zeit, vor ein paar Jahren, hatte die österreichische embassy uns aufgefordert, dass wir österreichische Bürgerschaft wiederbekommen können, if wir wollen. Und ich habe gesagt: „Warum nicht?“ Und da bin ich und…Felix war eigentlich ein Czech citizen. Und er konnte überhaupt nichts damit machen, denn der Czech Republic und Amerika hatten einen Vertrag gehalten, dass vor einem bestimmten Zeitpunkt nichts mehr zurück wird und keine Verhandlungen und this is the…es ist abgeschlossen. So war er Czech citizen und Israeli citizen und ich sagte, ich will nicht Amerikaner…ich wollte keinen österreichischen Pass haben, wenn Felix ihn nicht haben kann. Dann haben sie gesagt: „Ihr könnt es haben, but ihr müsst eure Israeli citizenship aufgeben“. Und da haben wir gesagt: „Nein, das tun wir nicht. Das tun wir einfach nicht. Vielen Dank für die österreichische…“ Weil man verliert es nicht. Ich habe noch einen israelischen passport. Und dann haben sie gesagt: „Okay, kannst du uns sagen, dass ihr nicht wieder nach Israel fahren wollt?“ Habe ich gesagt: „Nein, das tun wir nicht! Wir fahren alle paar Jahre.“ Und das hat sich so hingezogen und at the end haben sie es aufgegeben und wir haben jetzt beide einen Euro-Pass bekommen…österreichischen.

 

So habe ich einen Euro-Pass, einen israelischen und einen amerikanischen natürlich. So hat es…ich hätte es ja bekommen können, aber er nicht, hat gesagt: „Forget it.“ [Lacht.] Nein, und das tun wir nicht, wir sind schließlich auch Israelis. Ich meine ich fühle…es ist…it is a weird feeling, because eigentlich in meinem Geschmack, und meiner Kindheit…meinem Kulturell bin ich sicher mehr Österreich als alles andere. Meine Erziehung, mein Elternhaus, meine ersten fünfzehn Jahre habe ich doch in Wien gelebt. Und es…no matter what, das hat nichts damit zu tun mit der Politik, man fühlt sich gut. Ich komme nach Wien, es ist schön. Aber, das ist eigentlich alles, es ist more eine Gefühlssache denn eine, wie soll ich sagen, politische und bestimmte Sache. Amerika ist wieder eine andere Sache. I appreciate America, wirklich…it is a very wonderful country, man kann wirklich viel tun, und man kann sehr gut hier leben, und man hat alle Möglichkeiten. Aber doch, mein Herz ist…also, wenn ich überhaupt ein Herz habe, ist es doch in Israel. [Lacht.] Sind doch die besten Jahre, nicht, ein…Ereignisse, alles Wichtige hat sich doch in Israel abgespielt. Und ich spreche doch eigentlich am besten Hebräisch. Jetzt habe ich nicht…es stört mich, der Felix…jetzt habe ich nicht mit jemandem zu sprechen. But, ich denke Hebräisch. Oder Englisch. Nicht sehr viel Deutsch. A little toound ich habe doch, ja, das war eine andere Sache…also ich konnte nicht in eine Staatsschule gehen…endlich habe ich gedacht, jeder hat schon ein PhD und weiß ich was und ich habe nicht einmal eine Matura gemacht, ich sollte noch was tun. Und ich konnte nicht in eine Staatsschule gehen, weil ich kein Abgangszeugnis hatte, but ich konnte auf das College of Saint Rose in Albany, das ist eine katholische Privatuniversität. Sehr nett, eine Frauenuniversität und Internat. So bin ich zu denen gegangen, gesagt: „Wah, ich habe meine Papiere…sind in Wien und this and that, das war alles im Krieg verloren gegangen.“ Haben sie gesagt: „Alright. Schicke sie uns halt.“ Aber, es war eine Privatschule und then if you can pay the tuition you are fine.

 

2/00:42:05

 

So bin ich dort für ein Semester auf die Uni gegangen, das war in Albany. Das war eine sehr nette Schule, eine kleine Schule. Jetzt ist es viel grösser. Eine Mädchenuniversität. Die meisten Lehrerinnen waren Nonnen, die haben auch ein paar Priester gehabt. Und ich muss sagen, die waren sehr, sehr nett. Wir haben große…ich habe ja noch eine Freundschaft mit einer Nonne, ich schreibe ihr jedes Weihnachten. Ich schicke ihr ein paar Dollar und sie betet für mich. [Lacht.] Es ist jetzt schon lange, lange Jahre. Aber…war sehr gut, ich habe mir gedacht: „Na wie werde ich das machen?“ Ich habe ein…was habe ich gemacht…Geschichte, Botanik und Mathematik habe ich genommen. Und da war nur eine Öffnung in statistics…probability and statistics. Das hat mir sehr gut gefallen, ich muss schon sagen, jetzt sind die Schulen ganz anders, aber vor diesen, was weiß ich, 30 Jahren war das…Mittelschüler haben nicht sehr viel gelernt in Amerika. Ich meine, ich war die einzige, die eine Gleichung machen konnte. Sachen, die ich in der Unterstufe vom Gymnasium gelernt habe, haben mir geholfen. Ich war die beste Schülerin. Ich war die einzige, die Mathematik konnte. Geschichte habe ich auch sowieso gekonnt, das war nicht sehr…und Botanik war sehr interessant, aber es war nicht sehr schwer, ich glaube wir mussten diese Sachen machen…auf einer Seite mussten wir corn…so Kukuruz-Pflanzen machen, und der Benny war in der nursery school, der kleine. Und der hat das auch gemacht, so haben wir zusammen corn gepflanzt, ich fürs College und er für die nursery school, das war wirklich lustig. [Lacht.]

 

Aber so war es, ich habe…es hat mich sehr gefreut, das war eigentlich das erste Mal, dass ich in die Schule gehen konnte. Da waren viele Nonnen und dann…wie heißen die…nicht Probanden…bevor sie Nonnen werden, die waren Mädchen. Die heißen irgendwie…Kandidaten für die Nonnen. Wenn sie in ein Kloster gehen, da hatten sie die Möglichkeit zu studieren, zwei Jahre…konnten zwei Jahre College studieren, das waren alles High School graduates. Und dann mussten sie irgendwo arbeiten und dann konnten sie wieder studieren. Und sie mussten…wahrscheinlich haben sie social work studiert…dieses…ich weiß nicht, welchem Orden sie angehört haben. Aber diese Nonnen waren alle social workers, und teachers, and nurses. They were not cloistered. Diese jungen Mädchen, die studiert haben und ich…ich kann mich erinnern, das war so lustig, da…they had a cafeteria, big cafeteria. Ich habe mich so gefreut, ich muss nicht kochen, ich muss nichts machen, ich kann gehen und essen, because I did keep the house all the time. Und diese Mädchen, diese Nonnenmädchen, die haben sich auch sehr gefreut, und die Studentinnen, they were upper middle class Internat. Haben sich so beschwert über das Essen: „Ah, das ist so schlecht.“ Und uns hat es so gefreut, wir mussten nicht kochen und die haben sich gefreut, dass sie frei Essen bekommen. Well, we used to eat all this, hat uns gut geschmeckt. I had a very good time, it was very nice.

 

2/00:45:55

 

Ich war sehr freundlich mit ihnen und am Ende…ich war doch die einzige, die ein Haus gehabt hat. Wir haben ein Haus in Vororten von Albany gehabt, da machten wir eine big party für alle…sind sie alle gekommen. Sister Carol, und sister this und sister that and all the probational, oder wie die geheißen haben. Und sind Rad gefahren und hat sie so gefreut, ihr Dings ist geflogen. And that…it was a very nice time, we were very friendly. So I finished with three A’s und nine credits and then we moved to…sind wir übersiedelt nach Maryland. Felix hat begonnen hier zu arbeiten, bin ich einfach in die Universität von Maryland gegangen. War ich ein transfer student, habe ich kein Problem gehabt. Und bin zur Nachtschule gegangen, because…ich habe ein Haus gehabt und drei Kinder waren noch zu Hause, und Benny…Benny hat Jahel…Uri war schon auf der Uni, das erste Jahr Uni…ist nicht so easy mit ihm gewesen. Ja, das ist…die waren immer…sehr oft sind sie nach Hause gekommen, die Universität ist ja nicht so schwer, ist ja nur in einem Vorort. Anyway, konnte tagsüber nichts machen, da bin ich zur Nachtschule gegangen. They had night school. Habe die Kurse genommen, wo es kein…wo man kein luck gebraucht hat. Ich war ein Jahr und dann später, dann bin ich einfach weitergegangen zur Uni. Und dann habe ich…das erste, was ich dann gemacht habe war…Deutsch studiert. Und da habe ich erst gewusst, wie viel mir gefehlt hat. Und ich habe es wirklich eigentlich nur für mich gemacht, nicht für was ganz anderes hier. Denn, ich hatte wirklich keine Erziehung, ich bin…wenn man vier Jahre Gymnasium hat – gut, ich habe mehr gelernt, als wenn ich in Amerika in einer Hauptschule gelernt hätte, das wusste ich schon. Ich habe viel mehr math gewusst, ich habe Geschichte gekannt und alle Sachen, aber trotzdem. Nicht einmal deutsche Literatur habe ich so viel gekannt. Es hat mich sehr…es war sehr gut und es hat mich sehr gefreut. At the German department habe ich Germanistik studiert. Das war…it was very good.

 

That habe ich alles fertig gemacht. Dann war ich ein TA, ein Teaching Assistant and this and that and I made my master…I forgot, what I did…and then I studied, habe ich begonnen am PhD zu arbeiten. Und das hat sich sehr gezogen, inzwischen habe ich…mein erstes degree war in Education, denn ich habe gedacht, wenn ich studiere, wenn ich schon in die Schule gehe, soll ich was dafür haben. Und secondary education German, da habe ich sofort den Job gekriegt, in Montgomery County als teacher, als Lehrerin, habe ich in Hauptschulen unterrichtet – Deutsch. Und die haben so ein Patent gehabt, jetzt tun sie das nicht mehr, wenn man eine…also der Unterricht, das Studium, EducationGerman…war schrecklich, ich muss schon sagen, es war nicht gut. The School of Education war nicht sehr gut, war ganz uninteressant. Vielleicht nur für mich, weil ich doch…mehr im Leben erlebt habe und das…mehr gewusst habe und viel älter war als die Kinder, die achtzehn- und neunzehnjährigen, die Deutsch studiert haben. Es war sehr fad, war nichts Besonderes, aber doch dies und das. Und sie haben wirklich nicht sehr viel unterrichtet, das man brauchen könnte, nur so Philosophie und this and that. Und dann habe ich Practice Teaching gemacht und dann um einen Job angesucht für…in Montgomery County. Und da habe ich…nicht was Besonderes…die haben das Patent gehabt, wenn man ein degree, einen Titel, in einer Sprache hat, kann man eine Prüfung in der anderen ablegen ohne sie zu studieren und dann kann man das auch unterrichten. So habe ich natürlich gleich Hebräisch gesprochen, man musste einfach auf ein Ton [meint: Tonband, Anm. d. Red.] sprechen. Habe ich Hebräisch gesprochen in ein…Platten haben sie damals gehabt…und Französisch, ich konnte Französisch von Österreich…habe ich Französisch gelernt. So konnte ich dann Deutsch, Französisch und Hebräisch unterrichten. Und habe aber nicht daran gedacht, ob ich wirklich unterrichten soll, weil ich war noch sehr mit den Kindern beschäftigt – und außerdem hat mich das Studium gefreut.

 

2/00:51:08

 

Und dann habe ich einen Anruf gekriegt, sie brauchen einen Hebräisch teacher in der Public School and this…zu dieser Zeit hat der Montgomery County noch viel Geld gehabt und wenn fünfzehn Schüler eine Sprache wollten, dann haben sie einen Lehrer gefunden, sie haben das Geld gehabt. So bin ich engagiert worden, Hebräisch zu unterrichten in Montgomery County Public School und das war sehr lustig. So habe ich das…es war part-time und ich…aber immerhin, es war eine sehr wundervolle Hilfe, das hat mir geholfen in das Schulsystem einzugehen und dadurch mein social security und mein retirement…das war sehr wichtig. Habe aber genug Zeit gehabt, um weiter zu studieren. Dann habe ich meinen Master gemacht und dann mein PhD studiert und so weiter. Und dann war ich ein TA, ein teaching instructor. Und da haben wir immer sehr viel Spaß gehabt im German Department, es war wirklich sehr lustig. Wir waren sehr verschiedene Leute dort, ein Professor, der…er war zwar Amerikaner, aber seine Frau war Deutsche…war Österreicherin und er hat immer mit der Studentenschaft gesprochen, Burschen…alle solche Sachen, die schon ein bisschen altmodisch waren. Und er hat uns immer in den Biergarten geschleppt…der existiert nicht mehr, ich glaube dieses Jahr hat er geschlossen. [Lacht.] Im [unklar] irgendwo. Und Übungen und Prüfungen, das war einer…und zwei Professoren haben sich ewig gestritten, die waren beide aus München und jeder hat den anderen…ich will keine Namen nennen, ich glaube there is a lot of back-biting in faculties, I think. Also das…it was the department of Germanic and Slavic languages, wir waren alle zusammen. It was very, very nice…I enjoyed it very much, ich habe eine große…eine Hetz’ gehabt, dort im department. [Lacht.] All the things which were going on…it was nice, I taught graduate students and so on. It was sehr…ganz interesting. Das habe ich nachmittags gemacht und abends und vormittags bin ich…habe ich in Montgomery County unterrichtet.

 

Und dann endlich war ich fertig, dann habe ich einen full-time Job in Montgomery County bekommen. Deutschunterricht, mostly. Und danach habe ich ESOL unterrichtet, English for Speakers of Other Languages. Habe ich zwanzig Jahre für das County gearbeitet. Und einige Kurse in Maryland unterrichtet noch, so Abendkurse und dann bis wir retired mit 70, 71. We both retired, Felix and I. He did not want to retire, he had so much fun working, he had it very good at the Bureau of Standards, it is…basically, er war ein Wissenschaftler, a research person. So he loved his work and he had a very good…the community, the scientists, the people who worked there and…it was nice for him. Er hat wirklich tun können was er wollte, er war ein department head und ist viel gereist, wie gesagt zu jedem Erd…break und zu jedem Brücken…earthquake in…ist er nach Mexiko gefahren, die Brücke in San Francisco, die Golden Gate Brücke ist zerbrochen, durchgefallen, ist er gleich dort hingefahren. Also seine Arbeit war sehr interessant und er hat es sehr gern gehabt. Ich war nicht so besonders begeistert, denn leider war Deutsch nicht sehr prominent im Schulsystem. Interessanterweise, Prince George’s County hat ein sehr gutes deutsches Schulsystem. Hier haben sie gewöhnlich…war mehr Französisch und natürlich Spanisch…die Kinder…alle dachten, Spanisch ist das easiest, ist das leichteste. Und die Lehrer waren damals nicht so interessiert…in manchen Schulen ja, but in manchen Schulen…sie bekamen die Lehrer zugewiesen zu den Numerus-Studenten, aber wie sie diese verteilt haben, das war ihre Sache. Sie waren mehr an Französisch und Spanisch interessiert und nicht…die wollten keine andere…das war damals, jetzt ist es anders. Die dritte Fremdsprache war nicht so wichtig für sie, denn sie konnten diese leere Stelle benützen für englische Sachen oder…aber es ist schon gegangen, ich habe Deutsch und Englisch unterrichtet, gewöhnlich Deutsch und Englisch. Habe ich noch…I became an English teacher and a French teacher, God knows why. [Lacht.] Und das habe ich für zwanzig Jahre gemacht.

 

2/00:56:36

 

Ich habe angefangen in Gaithersburg und da hatten wir einen German Club, es war sehr schön, und dann war ein Wettbewerb in allen Schulen, Montgomery County German…so ein Quiz und da…Gaithersburg hat da gewonnen und bekam dann diesen Pokal. I think that was the only academic prize Gaithersburg ever won, because sonst haben sie nur Football-Sachen gekriegt. Things changed a lot since I worked…the school system changed completely. But at my time, when I started war es noch sehr gemütlich und you mehr or less could do what you wanted and that was…the principal came to inspect, sagt er: „Ich verstehe doch eh kein Deutsch, machen Sie, was Sie wollen.“ But I liked to study German…unterrichten…and they had good times. I instituted a coffee house. Every Friday morning we had coffee house…I brought my coffee and they could bring some food and then we showed a movie or something and we used to talk German, because…so that was fun, we did fun things. And we went to Europe. Spring break habe ich immer einen trip nach Europa gemacht. Nicht immer, dreimal oder viermal. Die Sache ist die: eine Woche, vier Deutsch-sprechende Nationen, das waren Österreich, Deutschland, Schweiz and Liechtenstein. So it is…das war ein Umsprung.

 

And das war eigentlich sehr…the very first time, das erste Mal, dass ich zurück nach Österreich gekommen bin. Und das war schon sehr aufregend für mich, das war…ich vergaß, in welchem Jahr das war…must have been about thirty years ago, nachdem ich ein paar Jahre unterrichtet hatte, zehn Jahre. Und das…ich war in Europa before mit Felix: Konferenzen in Paris, aber nie in Österreich. Das war sehr aufregend, eigentlich. Wir sind in…wo sind wir gelandet? In Frankfurt natürlich gelandet, diese Schulausflüge sind…vorher waren die…ersten Tag sind alle verschlafen, wir fahren mit dem Bus nach…in Frankfurt kommen wir an, fahren nach Heidelberg, fahren hin…and then we came to the…nach a few Tagen…to the Austrian border. Damals zählten…das war schon a bit aufregend für mich. And we came to the border and they had the…die rot-weiss-rote Fahnen. I really felt quite excited and touched, because still, I had a lot of…how should I say…not connection…a feeling, not for Austria, not for the state, but for my youth…I left there for fifteen years. And basically, my culture was…I would not say German, Berliner Deutsch, no, what they could talk…Austria. My mother was Viennese, she was born in Vienna. She was very Viennese. She knew all the songs, knew all the folk songs. Nowadays, when students came via exit…exchange student from Austria…from Germany in school, they did not know any of these songs. They did not know that. Who was there? There was from Gedenkdienst…he came from Steiermark, wer war das?

 

KW: Christian Url?

 

2/01:00:40

 

SY: Yes, maybe. And I sang him a song, „I [ich] bin ein Steirerbua [Steirerbub]”, and he never heard of that song. But then, when he went to…hat er es seiner Mutter erzählt, und seine Mutter ist Musikerin, und sie hat es untersucht und sie hat den Poeten, den Dichter, oder der die Musik geschrieben hat, gefunden. And she…aber er schaute…she sent it to me…it was printed with the melody and everything and framed, I have it down in the office now. The whole Gedicht ist ein Heimatgedicht. „I bin a Steirerbua und hob' a Kernnatur [Ich bin ein Steirerbub und habe eine Kernnatur].“ Wir haben ziemlich oft exchange students gehabt. Niemand konnte die alten Volkslieder. Vielleicht jetzt kommen sie wieder, but they knew all these long…these songs…so, I still have a thing, you know, cultural…I still have a lot Austrian…so, Felix, too. He had…he really suffered a lot, his whole family was killed in Auschwitz and he lost just about everybody. Es war…Czechoslovakia was very hard. If you could not get out at the beginning, you could not get out anymore. Es war eine…there was no place to go, all the borders were closed.Von anderen Ländern könnte man eventuell über die Grenze gehen. In Tschechoslowakei konntest du nicht. Es war Deutschland und Polen und Ungarn, das war alles Deutsch. It was very…das waren die Grenzen. Die Grenzen waren total verschlossen. And viele just did not bother to go, did not think they should go out, and then of course…seine Eltern kamen nach Theresienstadt, and we do not know much about it, and they lived until almost the end of the war. And in the last months before the end of the war, they were deported to Auschwitz. I guess they were…his family, they were notable. They knew what was going on, they were important and so they made sure that none will have survived.

 

Das ist interessant, ein einziger Cousin von ihm, survived…but we did not know that he survived. And he survived…er hat überlebt, weil er Kommunist war. Und er wurde als Kommunist verhaftet. So war er jahrelang im Gefängnis und dann nicht im Lager, und das war…das Leben war ein bissl [bisschen] besser im Gefängnis als im Konzentrationslager. Da war er drei Jahre in einem Gefängnis und das letzte Jahr war er auch in Auschwitz – aber das war schon toward the end and eventually he made it out. But das ist der einzige Verwandte aus seiner Familie, der überlebte. Und einer überlebte Theresienstadt, weil er ein Landwirt war und gearbeitet hat…und konnte nach dem Krieg nach Australien auswandern, denn Australien hat nur Landwirte hineingelassen. Auch Kanada. Die suchten Bauern und so weiter. So konnten er und seine Tochter…war das einzige Baby, das Theresienstadt überlebt hat. Und wir haben lange nichts gewusst. Und dann vor ein paar Jahren…seine Frau – die auch in Theresienstadt war und das mit dem Baby überlebt hat – hat plötzlich zu reden begonnen. Sie hat lange erzählt über das Leben und so weiter. Und der Sohn hat es dann aufgeschrieben. Dann haben wir einen Bericht bekommen, das war das einzige, was wir je gehört haben von Felix' Eltern. He really had…they could not get out.

 

2/01:05:36

 

Those are things, which haunt me. Personally habe ich ja wirklich nicht viel…ich meine, materiell habe ich nichts verloren. Was hätte ich in Wien gemacht? Wahrscheinlich auch studiert und wäre Lehrerin gewesen, man hat nicht so viele Möglichkeiten gehabt. So in a way, my life got enriched. Da sich durch…doch noch in Israel war, in Palästina. Und die Entstehung eines Staates, that is something…it is just wonderful, very touching…how shall I say? Very ex…it is very important to me. Aber es ist immerhin, man ist so…you are, wie soll ich sagen…your life is split in Drittel. And it is really split. I do not think they connect to each other, but they do not supplement each other in a way. They are all different. There was the time…meine Jugend, und meine Heimat, und meine Kindheit, and what we did, und was wir erlebt haben, verschiedene Erinnerungen, wie wir in den Prater gegangen sind und wie wir im Urlaub waren, und die Drahtseilbahn und was weiß ich…am Schneeberg und wo wir halt hingegangen sind. Sind sehr, sehr schöne Erinnerungen, und eigentlich, an das andere denke ich ja nicht so. Und der wichtigste part war sicher Israel, I would say.

 

In Amerika ist…das Leben ist schön und ich habe Amerika gern, es ist so…ein sehr, sehr schöner Staat, und orderly und gerechter Staat, and you can really…it is a very generous, would I say…America, is generous, they take care of the people. Well, there is always somebody you know who is…somebody who is homeless or somewhere, I mean, it is the same everywhere. But still, when you think about the basic law, it is a very generous state. People can live here, they leave you alone, and you have the protection of the state…there is nothing you can really com…I mean, well, politics and what else, and this and that, but basically it is a…I would not say it is an ideal state, but it is a state who was really founded on the rights of people and then…in principle, even if it does not always work. You have all the rights, and all the protection, and security, and it is a generous state. If you do not mess it up with another war, now. There always is something. We really have a lot of freedom, political freedom. You can do what you want, say what you want, you are protected. Nothing to complain…we did okay. We started with nothing, with absolutely nothing and made a good life eventually. But still, it is interesting, you know, it is more interesting. Sometimes at night, da weiß ich eigentlich gar nicht, wo ich bin. You do not know where you are. As älter man wird, erinnert man sich an viel mehr. Ist komisch, nicht? Sachen, an die ich mich schon lange nicht erinnert hätte. Ich erinnere mich jetzt an meine Kindheit und dann denke ich…hat es mich beeinflusst, dass ich mit fünfzehn…I mean, man ist doch kein Kind mit fünfzehn, aber doch…musst deine jungen Jahre more or less…du hast niemanden. Es hat uns nichts gefehlt im Kibbuz, und we had Führer und weiß ich, Leute die…took care of us, but still. Viele Sachen musste man sich doch allein durchkämpfen als ein junger Mensch, nicht?

 

2/01:10:48

 

Sometimes…ich weiß nicht, die heutige Jugend ist viel erwachsener, aber wir waren doch so bürgerlich…man dachte nicht, dass man mit fünfzehn schon alles wusste. Und man hätte gern vielleicht…Elternhaus, Hilfe von Eltern…nicht materielle, aber doch…eigentlich muss ich sagen Bäcker und dann irgendwas…Hilfe von den Eltern gehabt. Ratschläge. Und das hatte man nicht, das war…at least, I did not have it, man musste sich selber durch…durchdenken die Sachen, ob sie so sind oder so sind, ob das der richtige Weg ist, und da ist man sehr…ich glaube, es ändert das Leben, dass man viele Beschlüsse selber machen muss. Auch wenn man nicht viel ändern kann…doch man wird mehr self-reliant und vielleicht auch verschlossener. Vielleicht sogar eingebildeter auf sich selber, weil man es doch allein gemacht hat. Wozu kein Grund ist, man war nie allein, da war immer Hilfe.

 

Aber…und Freundschaften sind abgebrochen. Meine beste Freundin war in Wien und ich habe sie nie mehr gesehen. Und da…natürlich hätte ich auch andere Freunde haben können, aber man denkt immer an die erste, die beste, weil so sind wir nun mal. Das macht das Leben vielleicht interessanter. Sicherlich nicht er, der…basically, habe ich mich…aber es…weiß nicht so…things, they haunt you from time to time. They do. Even if it is not so personal. So, I do not know how longer…I am going to be 85. Genug. [Lacht.] You are young. Die heutige Jugend ist ganz anders, glaube ich, viel more selbstständig, viel…ich glaube, was damals in Deutschland passiert ist, mit all der Jugend und all diesen Verrückten, they could not do it today. Und eure Generation ist viel unabhängiger, do you not think so? Ihr denkt viel mehr…und ihr seid selbstständiger, individualistisch, vielleicht. You do not take everything, which you are told. I do not think we had this opportunity that much, it was not…die Welt war viel kleiner, du hast Zeitungen gehabt und ein Radio, aber we were not so much involved in everything. That is good, the future is yours.

 

[Übergang/Schnitt.]

 

Ende von Teil 2

 

 

Teil 3

 

PR: Ich würde gerne nach ein paar Dingen fragen. Einige der Informationen, die ich benötige sind leicht zu geben und sind technisch, und in anderen Bereichen glaube ich, dass es ein bisschen schwieriger werden könnte. Sie haben davon geredet, dass es Dinge gibt, die Sie durch das Leben hindurch verfolgen. Sind das Dinge, über die wir uns unterhalten können?

 

SY: Sure.

 

PR: Ja? Was haben Sie damit gemeint, als Sie gesagt haben, dass Sie Dinge noch immer verfolgen?

 

SY: Well, you know, a lot of concentration camps and cruelty that they did…verfolgen mich…the physical aspect, it is just…they do. They verfolgen me, they do. Think of them…why? You feel so angry and so hurt and you do not think it is possible that it happened and then you see it and…yes that stays with me, I am sure it stays with a lot of…most people, even though I did not go through it, it is there.

 

PR: Do you remember when you became aware of the things that happened in Germany? Do you remember--

 

SY: --yes, in Israel…Palestine, it still was. In the beginning we did not know, eigentlich when we…als ich weg war von Wien…für mich war es eigentlich eine große Hetz’, ich war im…quote unquote: "Oh, finally, I get out of Vienna and this and that", I wanted to…zum Land, wo die Zitronen blühen. [Lacht.] So it was no shock for me to leave my parents, not at all…the people who were…die lange Eisenbahnfahrt von Wien nach Brindisi, das ist im Süden von Italien…und manche Kinder waren sehr…haben geweint und waren homesick. Und ich gar nicht, für mich war das ein Abenteuer. We did not…weil wir nicht gewusst haben, was werden wird. Das war ein Abenteuer. "Oh, oh, I get out of Vienna and ich go nach Palästina und es ist so schön." Es war mir schon so fad in Wien. Ich konnte nicht in die Schule gehen, ich konnte gar nichts machen. Alle möglichen horror stories, und andere Leute sind weggefahren. Ich war ganz glücklich wegzufahren. Ich wundere mich eigentlich, dass es mir überhaupt nicht so leid getan hat, das was passiert…und eigentlich denke ich daran…jetzt…dann früher, dass ich eigentlich einen Teil meines Lebens versäumt habe, weil…you know, sometimes you are a late bloomer. Kinder heute mit fünfzehn sind erwachsen. Zu meiner Zeit, da waren sie noch Kinder, they did not do…grow so easily. They were still connected to their parents, they did not get married, or whatever. Especially…besonders in meinen Kreisen, bürgerlichen Kreisen. We were not that into…und ich wundere mich, ob ich was versäumt habe – man kann es nicht nachholen. Ich ärgere mich jetzt manchmal, how come they stole my…part of my life, which I should have spent with meine Familie, growing up and…took me a long time to get married, too…I could not make up my mind and, you know, used to have friendships and this and that…it was not quite the normal thing I thought, the way they did…I thought I was very mature for my age, I have no problem travelling and they all cried and everything was fine, and I liked the kibbutz and whatever, I was very enthusiastic about it – on the contrary, I became a socialist and politically engaged.

 

3/00:05:00

 

But I still think that the…well, in comp…im Vergleich zu, was andere Leute mitgemacht haben ist das eine Kleinigkeit, but I…doch fühle ich, dass ein part meines Lebens gestohlen wurde. These formative years I should have spent with my parents, or family, or mother. I know, how should I say…ich weiß nicht, ob ich das erklären kann…Kinder hier sind…wenn ich die Zeitung lese, die Zwölfjährigen and they are sexually active…wir waren nicht so und all dieses Erwachsene…I had to do on my own, so to speak. Wir hätten nicht…wir waren nicht allein, da waren immer Leute da, die uns helfen konnten, but ich war rather shy und thisnot shy…ich war eine sehr private Person, let us put thissay so. I did not have anybody to talk to. I mean, I would not…I had people but I would not talk, so I feel that, it is not a big deal…but there are little things which I feel I was deprived. I compared what people…what happened to most of the people, it was really nothing, but there is this edge that you feel, maybe I had done things differently in my life, privately, if I had maybe grown up more normally, I did not have all the decisions thrust on me when I was fourteen and fifteen. What to do, how to act. On the other hand I think…maybe not…maybe we had the…I had such a good background that I knew what was good, what I should have done and for the most time I did it, so…irgendwie ist es nicht ganz normal, let us put it that way, no matter what happened.

 

It is not…but wer ist normal? Wenn ich sehe, heutigen Zeit gehen die…Army…nineteen years, go to the Army and get killed in Iraq and…it is just a private feeling, I don't think…irgendwie fühle ich doch, dass man mir etwas weggenommen hat, let us put it that way. Nichts Materielles, aber ich…vielleicht beneide ich Leute – especially in Amerika –, die so ganz normal aufgewachsen sind, und ebenso meine Kinder, die alles haben und ganz normal wachsen, und wenn sie Probleme haben – wenn sie so wollen –, sprechen können und dann helfe ich. Und…wir waren nicht verlassen, nein, we always were taken care of, but we…I do not think I had that intimate contact, which I would have liked. With family, when you are alone. And this is eine Kleinigkeit, basically, because you always see the end product. The hard knocks of life. Nur, weil du eben gefragt hast, so sage ich: Ja, ich denke oft daran, ob mein Privatleben anders gewesen wäre oder nicht. You know, I was very lucky. Felix and I were very happy, we were married 60 years. It is a long time. 60 years and we got along very well. Had the same interests and everything. But…vielleicht denkt man an etwas, was nie gewesen wäre, das ist auch wahr. Man denkt vielleicht es wäre different gewesen, but…I'm still…what can I say, I still do not like the Germans. I have a bad feeling…I cannot. I made peace with Austria, but not with Germany. Nur einmal waren wir in Deutschland, in Berlin. It was okay, but did not feel like I wanted to do a lot of things.

 

[Übergang/Schnitt.]

 

3/00:10:06

 

PR: Wann sind Sie geboren worden?

 

SY: [19]23, 3. Dezember.

 

PR: 3. Dezember 1923. In Wien?

 

SY: In Wien, ja.

 

PR: Und was war Ihr Mädchenname?

 

SY: Braun. [Buchstabiert es.] B, R, A, U, N. Martha Braun, my name is Martha Braun. Susanna ist mein Mittelname. Und dann habe ich einen hebräischen Namen auf dem Geburtsschein, was Miriam. Und als ich nach Israel kam, nach Palästina, da waren so viele Miriam in meiner Gruppe, habe ich meinen Mittelnamen, Shoshanna, Susanna is Shoshanna…so gewöhnlich reden…people normally bei Shoshanna. I got to Israel, friends and family called me Shoshanna.

 

PR: Sie haben gesagt, dass Ihre Familie schon seit Generationen in Österreich war. Wissen Sie da ein bisschen mehr darüber?

 

SY: Über was?

 

PR: Über Ihre Familie, was--

 

SY: --ja. I can show you something. [Holt etwas.]

 

PR: Was haben Sie da Schönes gebracht?

 

SY: That is my family, I told you…der Schutzbrief von Kaiser Karl. That is a copy…das ist eine Abschrift.

 

PR: Von einem Schutzbrief von Kaiser Karl?

 

SY: [Liest vor.] „Wir, Karl…“

 

KW: „…Sechster von Gottes Gnaden…“

 

SY: Und das Original ist in einem Museum in Budapest, glaube ich, Budapest--

 

PR: --können Sie mir etwas über den Schutzbrief erzählen?

 

SY: Dass ich sie…ich glaube, ich hatte dir erzählt, dass meine Familie…was weiß ich, wie viel lange Jahre schon…im Burgenland und Wien, in dieser area gewohnt haben und wahrscheinlich waren sie Banker und sie haben an den Kaiser Karl Geld geliehen für die Türkenkriege. Und dafür haben sie den Schutzbrief bekommen, das heißt, Juden durften nicht in Wien leben, oder business haben und die konnten ihr banking oder whatever business they had in Wien tun. Aus Dankbarkeit. Das Geld wurde natürlich nie zurückgezahlt und deswegen hat mein Bruder diesen Witz gemacht und dem österreichischen Staat geschrieben, worauf sie geantwortet haben: „Wir sind nicht responsible für die Habsburger Schulden.“

 

PR: Und was wollte Ihr Bruder haben? Der hat zum Spaß geschrieben--

 

SY: --zum Spaß hat er geschrieben, sie sollen ihm das Geld…dass sie uns noch Geld schulden. [Lacht.] Er hat solche wunderbaren Ideen gehabt.

 

PR: Das ist aus dem Jahr 1838.

 

SY: Ich weiß nicht, von wann der ist.

 

PR: Ja, das steht da drauf.

 

SY: Eine Kopie. Die Familie hat wirklich…so weit wir wissen, haben sie alle in diesem Österreich-Ungarn gelebt. Und meine Mutter kommt…meine Mutter war Wienerin und ihre Mutter auch, but die Familie kommt aus Böhmen. Ich weiß nicht…aus einer kleinen Stadt in Böhmen. Sie konnte Tschechisch, meine Großmutter konnte auch Tschechisch. Meine Familie…meine Vater-Familie waren…die haben nachher in Baden gewohnt. Ich weiß nicht, ich glaube, die sind in Wien zur Schule gegangen. Und das waren fünf Brüder und zwei Schwestern, und die Brüder haben diese Weinhandlung gehabt…sie haben Weinberge, die Familie hat Weinberge gehabt. War ein sehr schönes Haus in der Breitnerstraße in Baden. Zwei Häuser, in der Mitte war ein Hof und am Ende des Hofes…das war früher ein Stall, weil sie noch Pferde gehabt haben, um die Wagen zu führen. Nein, da waren keine Pferde mehr, da war ein Auto. Und in der Mitte war ein Garten mit einer Laubhütte und die hatte ein verschiebbares Dach, denn…das war eine Sukka…weißt du, was eine Sukka ist? That was a Sukka…jüdisches Festival, Laubhüttenfest. Da isst man für eine Woche in der Sukka, weil es muss oben offen sein. Ich kann mich erinnern, das hat mir so gefallen, man konnte das Dach wegschieben. Wenn die Feiertage da waren, hat man in der Sukka gegessen.

 

3/00:15:15

 

Und wir haben in Wien gewohnt. Mein Vater hatte eine Wohnung am Schulhof im very…alten Wien. Und die Wohnung…in der Wohnung ist jetzt das Uhrenmuseum der Stadt Wien, und es ist ein sehr altes Haus, es ist ein großer Keller darin, unten. Die gehen zur Schottenkapelle, da ist eine Kirche dort…Schulhof. Und da ist ein Hof und dann geht man noch durch eine kleine Gasse, da ist der Schulhof. Da haben sie…in diesem Keller waren Weinlager. For distribution. Er hatte nichts damit zu tun gehabt, the office was on top of it. Aber ich kann mich erinnern, als Kinder, da sind wir ihn oft besuchen gegangen, nach der Schule. Wir haben im neunten Bezirk gewohnt, das war nicht weit. Nur die Wipplingerstraße hinauf und über den Schottenring. Zum Schulhof, es ist sehr schön. Und das hat immer so schön gerochen da. Und einmal waren wir…Felix hatte eine Konferenz in Paris und da waren wir in Normandy. Sind wir nachher nach Normandy gefahren, dort haben sie diesen Calvados, diese Bäume von…wo sie den Apfelwein machen, den Calvados. Und da sind wir so herumgegangen…diese Keller, die haben so schön gerochen, die haben mich erinnert an das office von meinem Vater. [Lacht.] Er hatte eines der ersten Telefone in Wien, ich kann mich noch erinnern, 20-8-43 war seine Nummer, das merke ich mir, sonst merke ich mir gar nichts. Max Braun hat er geheißen.

 

PR: Haben Sie im Kopf, wann Ihr Vater geboren worden ist?

 

SY: Wann er geboren worden ist? Ja, in 1876. Damit kann ich mich erinnern. Was heute das Datum ist, weiß ich nicht. Ja…ich think er ist…ich glaube er war in Wiener Neustadt geboren, for what reason I do not know. But die Familie, we had Familie, die waren Badner und im Burgenland, in Eisenstadt. Wir sind eine große Familie gewesen, die waren alle…gewöhnlich alle mit dem Weinhandel beschäftigt. Felix' Familie eigentlich auch, die hatten Fabriken in Laa und in Misslitz on the other side, an der anderen Seite von der Grenze, das war…das dauert nicht sehr lang von Laa nach Misslitz zu fahren, die sind beide an der Grenze. Die machten Spirituosen, und Essenzen, and Liköre, und Pflaumen…und Essenzen, die wurden nach Frankreich geschickt für Liköre, für certain Liköre, und die machten das. And other things, so hatten wir eigentlich Verbindungen durch same métier. Und die letzte Schiffung – da hat er nachher noch seine Sachen in Ordnung gebracht – die letzte Schiffung von diesen Spirituosen, die übrigens schon der Verwalter, Ari Setes, unternommen hatte, hat er dem [Hermann] Göring geschickt. Der Göring gab eine shipment of the Hauser. His name was Hauser because the factories and so were his mother's…his mother's father. His mother, Emma, married Karl Yokel, he was an engineer. The Yokels were also in the same town, Misslitz. They were bakers. They were…they spoke Czech. Jewish Czech. But the Hausers spoke German, in Czechoslovakia…mostly spoke German, mostly Jews spoke German. But he spoke Czech in his youth. When he was a little guy, he had a Czech nanny, so he spoke Czech. And then he spoke German and when he was…left Laa because he went to Brünn and he wanted to…this is a very, very important thing for him, to finish his Studium. That is one of the reasons we are here. He went to Brünn, there was a Jewish Gymnasium, so he got a Matura there, accelerated Matura, but he had to do it in Czech. So he had to do Czech again. That is how he got his diploma. It is nice.

 

3/00:20:15

 

PR: What was the name of your father's distribution in Vienna?

 

SY: I think it was Kleinenbrandel…something…Kleinenbrandel, ja.

PR: Und die Spirituosenfabrik und die Essenzenfabrik von der Familie Yokel, wie hat die geheißen?

 

SY: Hauser. His grandfather was Hauser, his mother was a Hauser.

 

PR: Um noch einmal zu Ihrer Familie zurückzukommen, wie wichtig war denn Religion für Ihre Eltern?

 

SY: Give and take, nicht sehr. No…wir haben alle Feiertage, jüdischen Feiertage gehalten, aber waren nicht strikt koscher. Wie alle Wiener, die waren…you have to understand, da waren zweihunderttausend Juden in Wien zu…sehr große jüdische community, but anyway, die waren verschieden. Da waren die jüdischen Familien, die vor ewig dort gewohnt haben, die waren vom Osten, Hungaria und so weiter und dann World War One, weil Polen geschaffen wurde. Polen did not…existierte ja nicht vor dem Ersten Weltkrieg, so wenn sie…Galizien was Österreich, ich meine, [Sigmund] Freud was a Galizianer, he was born in Galizien. Galizien was Österreich, and other parts were Russian, and Romanian, and they created all this to make the kingdom of Poland, because there was no kingdom of…no state of Poland before World War One. So then…what is his name, the American President, ja: Wilson. So when they decided to create a state of Poland, they took pieces from Austria, Russia, Poland, and Galicia used to be Austria, so…but the population, the people, had the choice to choose. They did not have to stay, if they did not want to stay, they could opt for any nationality they want. So obviously, the Jewish population mostly opted for Austria, they did not want to go to Russia, which was not a Jewish-friendly state. So a lot of Jewish people came to Vienna from this part of Poland. And they spoke Yiddish, some of them. Well, not the next generation, but the first generation. Austrian Jews…the Viennese Jews, Austrian, did not speak Yiddish. I never knew a word of Yiddish. It was not spoken. I mean there was some dialect, which the Austrian also used, like…ein Beisl [Gasthaus]…you know what a Beisl is?

 

PR: Sure.

 

SY: You know, it comes from the Jewish…Hebrew word bajit. A bajit is a house and a Beisl, bajis, in Sephardic. And there is a little house, is a Beisl. So they had a lot of expressions, but they were not strictly Jewish. „Schmiere stehen”…the Rotwelsch language, they had a lot of Jewish gangster expressions. But that is not Yiddish. The population who came from the East, they spoke German and Polish of course, but they spoke a lot of Yiddish, so this was sort of two populations, the Jewish population in Vienna was sort of two parts. Not really, I mean, maybe an exaggeration, but I knew…there were the ones who lived im zweiten Bezirk and they call it the Mazzesinsel. And the ones who did not…but everybody lived in a process. It was not a strict division. So I never grew up with Yiddish, I never did Yiddish. And when we came to Israel, people thought: "Why do you not speak Yiddish?" They spoke Yiddish to me and thought I would understand, because it is like German. But I did not, I just did not. I learned it, now I can do it. Of course some Yiddish was spoken, but it was different from the Polish Yiddish. You know that Goethe wrote a story in Yiddish, he studied it as a language. And now it is accepted. The Germanic language department in the University of Maryland had a course in Yiddish one, Yiddish two. Because that is what it is. It is middle-high German, from the first Laut shift, you know, like the Nibelungenlied. Written in Hebrew letters with a lot of Polish or Russian endings, or attachment. But in America they used some English adjustments…but it is recognised now. Nobody believes me, but you can go to the University of Maryland. It is a Germanic language. The Germanic language department in Maryland teaches Jewish, because when you read the Nibelungenlied in the original, when I read it the first time when I was a student…we read the Nibelungenlied, I had to laugh, it sounded like Yiddish. Because that is what they did, it is middle-high German. This adaptation…depending on where the people lived, in Polish they had Polish endings, and a lot of Russian words with it, but written in Hebrew letters. So we did not speak Yiddish, my family did not speak Yiddish. They spoke a little Hungarian, a few Czech expressions, because in Vienna they spoke a lot of Czech.

 

3/00:26:30

 

PR: Sie haben auch einen Bruder und eine Schwester – wie heißen die und wann wurden die geboren?

 

SY: Oh, mein Bruder…meine Schwester heißt…meine Schwester ist verstorben, sie heißt Johanna Eva Braun und mein Bruder heißt Robert Bruno Braun. Und die sind im selben Jahr, wie ich nach Palästina gefahren bin…einen Monat später, sind sie mit dieser Gruppe von 50 Kindern nach Amerika gekommen, haben dort bei…sind sie in ein Sommerlager gekommen und man hat gewartet, ob die Eltern kommen. Und viele Eltern sind nachher gekommen, unsere sind nicht. Darum haben sie bei der Familie, die sie herübergebracht hat – die Krauses – in Philadelphia…haben sie dort gewohnt für ein Jahr und dann hat sich mein Cousin als Arzt etabliert, hat er alle Prüfungen machen müssen…dann sind sie nach Bridgeport, nach Fairfield in Connecticut und dann dort gewohnt als Kinder. Es war nicht leicht für sie, glaube ich. Trotzdem, glaube ich war es leichter für mich…trotzdem sie bei Verwandten waren, ist ihnen sicherlich…es ist ihnen gut gegangen, ist ihnen nichts abgegangen. Meine Schwester ist in die Universität gegangen und pharmacy studiert. So war es doch viel schwerer für sie, denn sie waren…nicht viel schwerer. Sie waren abhängig von Verwandten. Nice Verwandten, aber doch, sie waren abhängig. Und ich war unabhängig, denn ich war im Kibbuz, ich hatte niemandem danke zu sagen und ich hatte nicht…ich musste keine Rücksicht auf irgendwen nehmen und sie mussten doch mit einer Familie leben, die zwar Cousins waren…es ist schwerer glaube ich, in a way.

 

PR: Um wie viel sind Ihre Geschwister jünger als Sie?

 

SY: Mein Bruder ist fünf Jahre jünger, meine Schwester zwei Jahre. Mein Bruder hat den 80. Geburtstag im Juli. Er ist in Connecticut, er ist ein orthodontist und er hat…oh, er hat fünf Kinder und ein wunderschönes altes Haus mit großen…viel Park, wilderness in the middle of Fairfield, Connecticut. Und da ist ein Bach und da ist ein lake und da ist…und ist dasselbe von allen…da man die große Fourth of July Party, hunderte Leute kommen zu ihm. Jetzt hat er gesagt…schon genug, er macht es nicht mehr. So macht man ihm einen 80. Geburtstag. Leider Gottes bin ich Kanada oben, Alaska, so kann ich nicht hinkommen, weil sonst sind wir immer alle…alle families. Und da waren, weiß nicht, zweihundert Leute. Jeder war irgendwie verwandt, Gott weiß ich von wo. Ja, das war…ungarische Verwandte. Eine andere Geschichte vom Ersten Weltkrieg, da waren Kriegsgefangene, russische Kriegsgefangene. Und die waren in Österreich quartiert, die Kriegsgefangenen, weil man…Österreich hat sie gefangen genommen im Weltkrieg…und sie haben für Bauern gearbeitet und so, es waren Gefangenenlager dort im Burgenland und in Niederösterreich. Und da waren jüdische Soldaten und die haben…die wollten nicht zurück nach Russland…und da hat sich die jüdische Gemeinde ihrer angenommen. Und da haben sie viele geheiratet. Sie haben sie mit jüdischen Frauen, die auf Männer gewartet haben, because it was [unklar], was weiß ich. So hat eine…irgendeine Cousine hat so einen polnischen Kriegsgefangenen geheiratet. Und dann…oder er war Ungar, ich weiß nicht. So haben wir Verwandte, die von dieser Seite herkommen. Und die sind alle jetzt in Bridgeport, das ist so interessant. Bridgeport hat eine große ungarische Gemeinde, nicht jüdisch…just happen to be a lot of Hungarians there. Wann die ersten Verwandten aus Ungarn nach Amerika gekommen sind, das ist schon…hundert Jahre her, haben sich dort angesiedelt, weil dort viele Ungarn waren, in Bridgeport, Connecticut. Und deswegen ist meine family…are living…ist auch there. Von dort haben sie ihr Affidavit bekommen.

 

3/00:31:35

 

The other side, meine Mutter, sie hat eine ältere Schwester oder Tante, die sind nach Amerika von Czechoslavakia…es war nicht Czechoslovakia…Böhmen…ach Amerika, nach Wisconsin…die waren farmers. Die haben sich in Wisconsin angesiedelt und die waren alle farmer. Meine Großmutter hat mir erzählt, sie hat so gelacht, im World War One hat sie Briefe von ihnen bekommen und sie haben Lebensmittelpakete geschickt. Im Ersten Weltkrieg war viel, viel Hunger… Ich kann mich noch daran erinnern, ich war [19]23 geboren, da war noch…die Zeiten waren schlecht. Da haben sie ihr Briefe geschrieben, von Amerika…wie schön es ist, sie hat uns den Brief gezeigt…sie haben Wagen, die ohne Pferde fahren. [Lacht.] Und wir haben alle so gelacht und gedacht, wir wissen noch gar nicht, was ein Auto ist…ihre Großmutter. But, mein Bruder, als Student war er ein ranger, im Sommer hat er gearbeitet und hat die Leute besucht in Wisconsin und so. Und gedacht, die sind nicht farmer. So, family gets distributed all over the whole world. Now, I have Familien in Australien und in Venezuela und, God knows where, in Mexiko. Because when they…when Hitler came, everybody left, wherever they could. So I have family, cousins. My uncle had five daughters and a son. And they went to Paris, but when the Germans came to Paris they left Paris. They left and they made it to Portugal and, because one of the daughters lived in Portugal, and Portugal was not in the war, so they could…they went to South America. One was in…I do not remember where she was…in Argentina, he was a doctor. He lived in Argentina, but he could not practice in Buenos Aires. He had to live in the country, but where they lived in the Pampa, something like this. The others were in Mexico, two or three of them…four of them…three sisters. But they are all Mexican. Felix visited them. When there was an earthquake in Mexico, Felix was there. They called him for the earthquake, so he visited them there…as I called my cousin…not my cousins, but oh, they were very happy to see him. He said they are very nice, but they are all Mexican, they speak Spanish, they hardly know anything, they know there is family, but that is it. Totally got destroyed, we did…the family was so dispersed after the war. One, as a matter of fact got divorced three times, she…I remember when she married in Baden and when she was in Paris her husband died. And she married somebody else. And then they moved to Portugal and eventually she got to Mexico and that was her third…second husband, he also died. And she married a Mexican general. And I have seen…well, she is probably not alive anymore…but the general died, but whenever there is a parade, they told me, they sent a car for her, and the ordinance and soldiers, and she sits on the reviewing stand and there is a big cross as the widow of the…a revered general so-and-so. See how families disperse? I think it is very funny, it was not…she has a pension from him. That is it. And all over…families.

 

3/00:35:45

 

But in the end it is just a nuclear family, if it goes too far all over, you lose contact. You by chance hope…Cora went to college where…in Australia, so she picked up on the family again and she got friendly with everybody, and now we have connection again with…they are cousins, but still. You cannot have a relationship in another continent. However, ich…I am happy to say, that nobody had any fights with anybody else. They all…you know, sometimes you have fights and…nobody had any fights about money or about family, so far. I hope it will not come to it.

 

PR: Als wir über Ihre Kindheit geredet haben, haben Sie gesagt, dass die Zeiten, in denen Sie aufgewachsen sind, sehr bewegt waren und Sie haben ja auch erwähnt, dass es Schießereien gegeben hat. An was für politische Zwischenfälle können Sie sich erinnern?

 

SY: Sicher, das war…der Justizpalast wurde abgebrannt, [Engelbert] Dollfuß wurde ermordet, die Gemeindebauten wurden beschossen. Wir sind nachher hingegangen, haben die Schusslöcher gesehen in den Gemeindebauten. Alle haben gesagt: „Ja, schau dir an, das waren sie, die Gemeindebauten“. Wir sind alle wie Papiere…gegen die…die Sozialdemokraten haben sie gebaut. Und haben gesagt: „Ach, das ist nichts wert, wir sind alle, like Papiere, nothing“. Und dann hat es eine Woche gedauert sie zu zerschießen. Haben alle gesagt. Dann ist mein Onkel gekommen in der Mitte of the Nacht – der Bruder von meiner Mutter, der war neunzehn Jahre jünger, war wie ein Sohn…der mitten in der Nacht mit einem Revolver…sie soll ihn verstecken, because…er hat in Meidling gewohnt und da hat jemand vom Fenster geschossen und jetzt suchen sie im Haus…in den Häusern nach Waffen. Ist er schnell abgezogen. Ich weiß nicht, warum er einen Revolver gehabt hat. My father was furious: „Was brauchst du einen Revolver?“ Hat ihn unter die Matratze geschoben. Vienna was not a very peaceful city at times. Ich weiß, wir waren auf Sommerfrische, und da ist mein Vater gekommen und hat erzählt, wo geschossen wurde in Wien. Die haben die Schläuche abgeschnitten, wenn sie das…wenn sie den Justizpalast angezündet haben und dann wollten sie das Feuer löschen, haben…ich glaube, das waren die Nazis, die haben Putsch gehabt, haben alle Schläuche abgeschnitten, so die konnten es nicht machen. Und dann ist der Dollfuß ermordet worden. Jeder hat sich über Dollfuß lustig gemacht, but then, wie er ermordet war ist das…seine Witwe ist nach…zu [Benito] Mussolini gegangen mit dem Kind. And [Kurt] Schuschnigg war ein bisschen more beliebt, but nicht sehr. He was okay.

 

PR: Wie haben sich die Leute denn lustig gemacht über den Dollfuß? Was haben sie denn gesagt?

 

 

SY: Er war doch sehr klein, die haben gesagt: „Ich bin schon größer geworden.“ „Oh du Trottel, du hast dich doch quer ins Bett gelegt.“ [Beide lachen.] Solche Dummheiten. You do not know that one. Und wenn man gegessen hat, die Familie sitzt beim Tisch und isst, und der Sohn sagt: „Vati, wer hat eigentlich den Reichstag angezündet?“ – „Ess es [meint: SS, Anm. d. Red.], mein Kind, und kümmere dich nicht um die Politik.“ Das kennst du doch, nicht? Und solche Sachen, politische Witze hat es immer gegeben.

 

3/00:39:57

 

PR: Die Familie von Ihnen war eine politische Familie?

 

SY: Meine Familie? Nicht sehr politisch, aber sie haben gewählt und…ja, sie haben diskutiert, man hat politics besprochen, Zeitung gelesen. Mein Vater ist ins Kaffeehaus gegangen, jeden Abend und man konnte in…die Kaffeehäuser haben alle internationale Zeitungen gehabt, im Café Bauernfeld war sein Stammplatz. Am Bauernfeldplatz. Man hat…man interessierte in this. Ich weiß, sie haben sozialdemokratisch gewählt. Mein Vater hat mich gefragt, was meine Mutter gewählt hat und meine Mutter wollte wissen, was mein Vater gewählt hat. Der 1. Mai war ein großer Feiertag immer. Herumgegangen mit den roten Nelken. Ich tue es noch, obwohl niemand in Amerika mich je gefragt hat, ich ziehe immer mein blaues Dings an, ein weißes Shirt und ich habe eine bandana. And I wear it every 1st of May. Israel ist ein großer Feiertag. Israel ist sehr politisch. Jeder hat six Meinungen, die politisieren, I am telling you. Ich glaube, Juden tun das besonders gern. Die haben doch so viele Parteien, das ist nichts zum Lachen, but politics is very big in Israel.

 

PR: Was haben denn Ihre Eltern dazu gesagt, dass Sie zu Blau-Weiß gegangen sind?

 

SY: They did not care. Why not? My mother was always sozial…my mother came from a working class family; they did not care. Nobody thought anything, so it was like…a scout thing. Das war doch nicht ganz…naja, die meisten did not go to Blau-Weiß, they went to Maccabi. Maccabi was more bürgerlich. Ich weiß nicht, I mean, ich weiß wirklich nicht, wieso ich bei Blau-Weiß angelangt bin. Zufällig, wahrscheinlich, not in any politischen connection. But I liked it. I mean, I liked politics. I do not like it anymore, I do not think, what I am going to do…ich weiß nicht, für wen ich wählen soll. I do not like Barack, I am sorry, ich habe ihn nicht gern. Er redet zu viel. Ich habe so einen stack of this…of letters, ich gebe es dir.

 

PR: Sie haben--

 

SY: --wie bist du…bist du politisch?

 

PR: Ich verstehe mich schon als politisch, ja.

 

SY: Ja? Ja, we were…einmal waren wir in Deutschland…in Österreich, vor ein paar Jahren, da war ein großes…wir haben uns immer die Debatten angesehen vom…wie heißt er…der von Kärnten?

 

PR: Der [Jörg] Haider?

 

SY: Ja. But unsere Freunde, trotzdem sie…sie sind katholisch, lovely people, herrliche Leute, so wunderbar. Und die hassen die katholische Organisation. They do not like the Erzbischof and they do not like the Pope and they do not like anybody. But they are very devout catholics. They really are devout. Sie geht ins Altersheim und sitzt mit allen und er macht sermons…sie sind sehr religiös, but they do not like the organization. Erzählen Horrorgeschichten. Ich weiß nicht, ob das wahr ist, das muss ich…die sagen, der Bischof kann zwei uneheliche Kinder haben, aber das dritte muss er selber zahlen. That is what they told us. [Lacht.] Zwei zahlt die Kirche noch. Is that true? [Lacht.] I keep hearing all these things. Sie sind Religionslehrer, katholische Religionslehrer in public school. But sie sind auch Deutschlehrer. Sie haben ein anderes…sehr klug, denn sie denken sich, es wird nicht mehr lang dauern, dann wird der Religionsunterricht abgeschafft. So, they took courses, they went to college and studied. Germanistik, geography, und other subjects you can teach everything, you can teach it. Wir mussten auch Religionsunterricht haben in Österreich…als ich in die Schule ging. „Weibliche Handarbeiten“ we used to have, und Religionsunterricht, und körperliche Übungen im Augarten. Had to hatsch [gehen] into Augarten once a week.

 

3/00:45:49

 

PR: Haben Sie noch gute Erinnerungen an Ihre Schulzeit?

 

SY: Ja, actually, it was a big shock. Ich habe meine Schule gerngehabt. Und ich war pretty good mit allen. Ich war immer Vorzugsschülerin. Und alle wollten…in der Studienzeit wollten alle neben mir sitzen, ich soll ihnen helfen mit der Mathematik und so, ich war gut in Mathematik. Und, ja, da waren auch ungefähr 30 Prozent – also von den Schülern in meiner Klasse – jüdisch. Wir waren eine Mädchenklasse, so ein Realgymnasium etwa…Schubert-Realschule, aber für Mädchen war es ein Realgymnasium. Waren getrennte Klassen, die Jungen haben Realschule gehabt und wir haben Realschule plus Latein gehabt, das war der einzige Unterschied, glaube ich. Ein Realgymnasium für Mädchen. Und die jüdischen Schüler waren alle in einer…verschiedene Klassen, die waren Religion…damit sie im Religionsunterricht dieselben Zeiten haben, waren alle jüdischen Schüler in einer Klasse. Und alle evangelischen…da waren nicht so viele evangelische…weil der katholische Unterricht war während der Schulzeit, der jüdische Unterricht war am Nachmittag. Haben wir Nachmittagsklasse gehabt. Der Rabbiner ist gekommen. Der Rektor, der Schuldirektor ist gekommen, hat inspiziert. Es war sehr…I mean, they had to do it…Religionsunterricht, you had to take it und man konnte nicht nicht nehmen. Konfessionslos gab es nicht, man musste Unterricht haben. So, eigentlich haben wir ganz gut…in der Klasse war nie irgendein…wir sind nicht zusammengesessen oder so, war gar nichts bemerkbar. Nach dem Umsturz…das heißt, that was the first shock I got, really, I should say that. Der Hitler hat, wie er eingezogen ist…wir haben nicht gewusst, was los ist…dann hat meine Nachbarin angerufen, gesagt, die Schule ist geschlossen. Wir wussten, dass sie einmarschiert sind, wir wussten nicht genau die details. Und am nächsten Tag, da haben wir schon gewusst, am Abend, that is it, the Nazis are here, and Schuschnigg ist geflohen, oder weiß nicht was.

 

Am nächsten Tag sind wir, wie gewöhnlich, in die Schule gegangen, and that was something. Am nächsten Tag war auch keine Schule. Und dann sind wir in die Schule gegangen, man hat uns nichts gesagt, und wie wir die Klassentür aufgemacht haben, sind wir so gegangen: Alle nichtjüdischen Schüler sind in allen ersten Bänken gesessen. And so, they only left the last three for us. And that was the really big shock I got, it was on the Tag nach dem ,Anschluss’. Because that is it, you sat in the back of the bus. We had to sit. Nicht nur dies, sie haben gelacht: „Haha, haha!" Und das waren Freundinnen…nicht Freundinnen, Schüler, denen ich mit Mathematik geholfen habe, mit denen wir die ganze Zeit zusammen waren. Vielleicht nicht intime Freunde, aber sehr freundlich. Nie irgendwas…dass sie sich irgendwie anders…zu sich selber gehalten hätten. Die waren so…vielleicht waren wir naiv oder ich war naiv, aber alle haben denselben Eindruck gehabt. Wir sind also gekommen: "Ah, let us see what is going to happen with the Nazis." Wir öffnen die Tür, alle sind…da waren immer so drei Reihen von Bänken. Alle drei Reihen in der front waren besetzt, alles war besetzt, und we had the last row…two rows they left, we had to go there.

 

3/00:50:31

 

I think that was the…that is when it set in, that hit me. That these…die waren wie…wunderbar organisiert. Wunderbar organisiert. Alles war vorbereitet. They knew exactly what they were doing, die haben das alles sehr gut vorbereitet und die wussten am Tag…wenn der Tag kam, wussten sie, was zu tun…das waren doch Kinder, Vierzehnjährige. Und die Professoren haben alles ignoriert. Nichts gesagt, nicht so, nicht das…nicht jenes. Nobody said anything. Und dann haben sie uns gleich gesagt, nach einer Woche or whatever…da mussten wir dann zur Ausstellung gehen. Da war eine Ausstellung, the Autobahnausstellung, da sind wir alle gegangen, das war noch…alles zusammen gemacht, und am nächsten Tag haben sie gesagt wir müssen weg und haben…sind wir in eine andere Schule gekommen, alle jüdischen Studenten sind in die Albertgasse gegangen. Ich glaube, das ist im achten Bezirk. Albertgymnasium, oder was weiß ich. Sind wir dort…das war eine jüdische Schule, da haben wir schon gar nichts gelernt. Waren überhaupt nicht serious. Es ist…die sind dann oft gekommen, haben Schüler verhaftet, but trotzdem, wir haben noch a lot of Spaß gehabt. It is interesting, it did not set in so much. It was very, wie soll ich sagen, localized. Im zweiten Bezirk war es schrecklich. Im neunten Bezirk…ich habe meinem Vater gesagt: „Ich sehe überhaupt nichts“, sagt er: „Du wirst schon sehen.“ Because you know, he heard what was going on, but I did not see it right away. In der Albertgasse ist…every day some SS came and arrested people, Schüler. Sie sind in die Klasse gekommen, haben Schüler, so-called Jewish-looking boys and girls…took them out to make photographs…to put a Plakat or whatever. And, of course, all the signs came up right away. Auf der Bank darf man nicht sitzen, no…keine Juden und nicht so…Schönbrunn…meine Mutter sagt: „Okay, we will go to Schönbrunn, we have to go to a part of the [unclear].“

 

Das war im März, April…Schule hat gleich im Mai aufgehört. Dann hat…ich bin zu einer Umschulungsschule gegangen, mein Bruder und meine Schwester sind nach Piesting, wo meine Tante Zahnärztin war, sie hat ein Haus in Piesting gehabt. Und so war es noch nicht so hart, die sind nach Piesting zu ihr aufs Land gegangen. Sie war die einzige Jüdin, sie war die Zahnärztin, she grew up and she thought nothing was going to happen there. Ja, da war eine Konditorei…nein, eine Parfümerie. Auf Sommerfrische waren wir dort und wie Hitler gekommen ist, ist die alte Frau vor der Tür gestanden und hat gesagt: „Heil Hitler! Mir [wir] Sudetendeutsche müssen uns zamholten [zusammenhalten].“ [Lacht.] [Vogelpfeifen im Hintergrund.] Sie hat kaum Deutsch sprechen können, but she war…all of a sudden war sie eine Sudetendeutsche. I thought it was so funny, I remember her.

 

3/00:54:53

 

Dann haben sich alle die weißen Kniesocken angezogen, das war doch das Zeichen, weißt du, Kniesocken. Komisch, die Sachen. No, but that…ich muss schon sagen, das war so der erste Schock we got. We go in the Klassenzimmer. Nicht nur, dass es so war, but sie…they were very awful, they laughed and they spottet and these were kids, you know? Gymnasiasten, nicht Straßenkinder. We were friends the day before, so to speak, maybe not friends but we had a relationship. Ich habe ihnen mit der Aufgabe geholfen. That was all out. They think it. I got out pretty soon…dann den Sommer…nach nächsten Sommer, da war ich noch…habe ich einen Umschulungskurs gemacht, learned to cook. Everybody made Umschulungskurse. They want to go to England, because das war die einzige Möglichkeit, die man hatte. Man konnte nach England, they looked for house personnel, that is what they wanted, they did not want anybody…servants, they wanted. All the women took Umschulungskurse, kochen und servieren, und was weiß ich. And then there was a Kindertransport. My little three-year-old cousin went on her own, took the Kinderand her parents wereand I did a Umschulungskurs in Krüger-Heim. It does not exist anymore, Krüger-Heim…es war ein jüdisches Waisenhaus und…then I took some Hebrew classes there, not very long and then I left, went to Kultusgemeinde. And they had a lot of jokes, by the way, unbelievable…good jokes. And songs, all sorts of songs. [Singt.] „Scheine, Scheine, geht zur Kultusgemeinde, und der [unklar] zum Palästinaamt.” There was still joking. [Singt ein Lied.] Man brauchte Papiere, Papiere, Papiere, Papiere. Und man musste sich anstellen und Stunden musste man überstehen. Everybody wanted to leave, and that was the time you could leave, if you had a place to go. [Summt ein Lied.]

 

KW: Welche Rolle hat denn die Kultusgemeinde gespielt in diesem Auswanderungsprozess?

 

SY: Well, they tried to help, ich nehme an. They could not do much. That was the Palästinaamt, but you could not get into it, you needed a certificate from the British. They had a schedule. And nobody knew, there was a newspaper, I remember it said: „Britische Regierung ordnet ein…“, they made a schedule, which means so and so many, but nobody knew what schedule means. Nobody could pronounce it, die Leute haben gesagt eine „Schedule“. What is a Schedule“? Nobody knew. [Lacht.] The British government enforced a „Schedule“ for Einwanderung. People went all over to every consulate you could imagine. Haben sich überall angestellt und geschaut, wo man hinkommen kann. Man konnte nach Kuba kommen, wenn man Geld hatte. Für eine kurze Zeit konnte man mit Geld irgendein Visum kriegen, but you know, one needed a lot of money.

 

3/00:59:57

 

And then you could not get in…you could get out, that was okay. Man konnte heraus und wenn man irgendeinen Platz gefunden hat, konnte man herein. Viele Leute sind nach Rumänien gegangen, Romanian Staatsbürger. Sie went nach Ungarn, sie went nach Tschechei und alle diese Staaten sind nachher…alle…it was like mouse-traps. They could not…they could get in there, but not out again. Portugal was…you could go to Portugal. If you could get to Portugal then…ich glaube, die waren nicht im Krieg, nein. Und Spanien war nicht im Krieg, but Spanien hat alle die Geldtransaktionen gemacht für Hitler. Und Schweiz. They were bastards. Big, horrid bastards. It is a long time ago. Now we have Iraq and we have this and we have jenes.

 

[Übergang/Schnitt.]

 

Ende von Teil 3

 

 

Teil 4

 

PR: Do you remember the day of the Anschluss?

 

SY: Sure.

 

PR: Can you tell me a little bit about your recollections of the day of the Anschluss?

 

SY: Well…actually, we did not know, we woke up and there was a lot of noise in the streets and I remember the day when Hindenburg named Hitler to Reichskanzler. And I tell you why: Before we moved to Porzellangasse, when I was in first grade or grade school, we lived im zehnten Bezirk, in Favoriten. I had to go…there were no Jewish students at all, I had to go to Religionsstunde someplace else. It was after the war, the year [19]30, there was nothing, but I had to take Religions…class there and I took it in another school and I had to go by tramway. I had a Schülerkarte, it was no problem. And I still remember that I rode home and the whole Straßenbahn was talking und they all were waiting, und der Straßen…conductor came: „Nun, er hat ihn named…er hat ihn genommen, er hat ihn…genommen.“ And I could not…a lot of Getue and people were yelling, and this and this. That was the day when Hindenburg named him as Reichskanzler. And I do not know why I remember it, but I do remember it. Definitely, I remember. Ich war in der Straßenbahn and everybody was…the Straßen…conductor came with a newspaper and all were…alle waren sehr interessiert und haben geschrien…they were happy, so to speak. They were not…they were yelling: “Oh, it is a good thing.“ That it was a good thing. I remember.

 

And also my teacher was…told somebody, she was on vacation in München and she did not name any name, but she said: „Oh, da war so eine Begeisterung, die Leute waren Straßen und Fahnen haben geschwungen.“ Sie war in Nürnberg and they had the…things…why I remember it, there was little incident and no names were named, but I must have known what it was. Or I remembered later and connected it, that is also possible. But these are two incidents I very much remember. Die Straßenbahn and who came with the newspaper, said; „Na, er hat es ihm gegeben.“ And then my Lehrerin, Oberlehrerin Helene [unklar], how she was a summer in Munich and they had the big meeting: „So eine Begeisterung, die Fahnen.“ She was an old woman…an old lady. Most of the teachers…die meisten Lehrerinnen, die ich gehabt habe, when I was…nach dem Krieg, die waren alle Lehrerinnen, die Frauen konnten nicht hei…ja, es gab keine Doppelverdienerin. So if a…if eine Frau, eine Lehrerin geheiratet hat, she could not teach anymore. So, most of the old ones were Jungfrauen. I do not know what they were, if they were Jungfrauen or not, but they were old ladies. We had some of those…they were very good teachers, very strict. Und da kann ich mich erinnern, there was something…she was and I was…and full of enthusiasm, hat sie mir erzählt. I do not know why I remember it, but I connected it, so there must have been some awareness of things.

 

Then of course we had a lot, bevor den Wahlen…there were supposed to be the Volkswahlen von Schuschnigg. Ja, ich bin…ich stehe bei den Arbeitern, he held a big speech. There were Umzüge. And at night…and then the morning we woke up and there was [unklar] music in the radio and you could not really get any news and a lot of yelling in the street and we looked out of the window and…they had little Hakenkreuze thrown all over and there was a big…wie soll ich sagen, Fahnen und so, und wir wussten nicht, ob es österreichische Fahnen…diesen Moment we did not know…was it der Anschluss, or was it Konterrevolution. [Tür geht auf, kurze Unterbrechung im Satz.] This was not clear. Then we had a little transistor radio, we could not really hear. We had…you know, communication was not really…we did not have a phone in the apartment, my father had a phone in the business. So we were not quite sure. Dann hat meine Freundin – die hat im selben Haus gewohnt – hat mich angerufen und gesagt: „Braun…ist heute keine Schule.“ I said: „What is it? Warum?“ She said: „Der ‚Anschluss’…wir sind…die Deutschen sind da.“ And there is big commotion in the streets, yelling and screaming, and everything.

 

4/00:06:13

 

And then there was no school for two days. There was…you know, we were surprised. Nicht in Salzburg und nicht in Innsbruck nehme ich an, but im neunten Bezirk war das surprise. Und dann war keine Schule und dann sind wir in die Schule gekommen und we could not even get in, told us right away. Sie haben eine Ausstellung gemacht…Autobahnen, deutsche Autobahnen. Im Messepalast. We were all taken, everybody, Jews, non-Jews, a big…alle Studenten, alle Schüler von allen Schulen went to the Messepalast and there was an exhibit at the Autobahn. I mean, they did something to distract the…wieso the Autobahn, it is a big achievement. And the next day we went to school and it was the end of school more or less. But sogleich a few teachers were missing. We did not have any Jewish teachers, but we had a Zeichenlehrer, he was our favorite. He was married to a Jewish woman, he never came to school again. Either they were told to stay away or…wahrscheinlich. Und wir haben ihn nachher besucht, meine Freundin und ich, er hat im zweiten Bezirk gewohnt und er hat mir noch nach Israel geschrieben ein paar Mal. Mit dem habe ich noch Korrespondenz gehabt, mit keinen Schülern, niemandem. Niemand hat sich gekümmert.

 

Und dann haben…sind sie noch gekommen, haben uns gesagt: „Ihr geht jetzt in die Albertgasse.“ Das war eine jüdische Schule und wir haben uns von den Lehrern verabschiedet. Einige waren nett und die anderen haben sich gar nicht gekümmert. And off we went, haben versucht das Jahr zu beenden, irgendwie. War nicht viel lernen da. Constant…insights…und SS und SA were there…einige wurden verhaftet. Dann war die Schule zu Ende. Und dann haben wir keine Zeugnisse bekommen und da haben sich viele Eltern aufgeregt, sind gekommen, haben gesagt: „Wir wollen Zeugnisse, unsere Kinder werden in eine andere Schule gehen und sie gehen nach England, sie brauchen die Zeugnisse.“ There was a big scandal about that. Die Leute waren naiv, they thought life would go on, I think. Es hat sich so niemand vorgestellt. Eine Nachbarin, eine Freundin von meiner Mutter sagte: „Nein.“ My mother was upset, sagt sie: „Ach, es ist den Juden sowieso nie gut gegangen, wie viel schlechter wird es schon werden? Wird sich schon einfangen.“ Aber wieso?

 

PR: Wie war das Verhältnis mit den Nachbarn?

 

SY: Also wir haben gar nichts Besonderes…wir waren sehr gut mit dem Hausbesorger, der war ein Czech and he liked to drink. My father always brought him some Slivovitz. And sie haben viele Einquartierungen…the SS came with the…haben sich fünfzig Cent…dann werden die gekauft, you know, we had some paintings, we had…ein österreichischer painter, it was ein Original. Er ist gekommen, hat gesagt: „Ach, Gott“. Er hat geschaut, wo man da…wen man noch einquartieren kann, and he saw those paintings…wie heißt er noch…he is a very well known Austrian Heimat…painter. And we had…wir haben zwei Gemälde gehabt in goldenen frame and…Andreas Hofer. Und this…I was not there, but my mother told us…das war schon, bevor ich abgezogen bin. Nachdem ich weg war. Die SS hatte…it was Gestapo…die haben die Wohnung ausgemessen, ob sie noch mehr Leute hineinkriegen können…oder ob sie wegnehmen können. He says to my mother: „Verkaufen Sie mir diese Bilder!“ She said: „Aber bitte, Herr Oberstauffen…leader, bitte nehmen Sie sie.“ „Ich brauche kein Geschenk von Juden.“ Und hat fünf Mark herausgenommen und auf den Tisch gelegt. Then he sent somebody up to take the paintings, so she got saved from being…from Einquartieren. That is what it was, what could you say? Fünf Mark or zehn Mark auf den Tisch geschmissen. Hat sie gekauft. [Lacht.] Es war incident. I mean, surely there were many more incidents, ich kenne…ich war weg, ich habe nicht…Sachen die ich später gehört habe.

 

4/00:12:10

 

You know…wir waren jung und das war ein schönes Abenteuer, we go to the Middle East and see palm trees, and camels, and you are free, nobody tells you what to do, so to speak. Vielleicht…darüber hat man später nachgedacht. Vielleicht war es nicht so gut, aber nachdem was alles passiert ist, war es gut.

 

PR: Wann haben Sie Wien verlassen? Wann sind Sie mit dem Zug in Richtung Süditalien--

 

SY: --das war am 13…15. März, glaube ich. [19]39. Der Krieg hat im September begonnen. 1. September sind sie einmarschiert, die Deutschen und am dritten September hat England den Krieg erklärt.

 

PR: Sie haben eine Geschichte erzählt, vorhin, mit einer roten Fahne oder einem Stück von einer roten Fahne.

 

SY: Das war meine Mutter.

 

PR: Die Ihre Mutter eben--

 

SY: --ja, das war 1918. Als die Republik ausgerufen wurde. Man hat die Republik ausgerufen und da waren Demonstrationen. Die Kommunisten haben demonstriert und da waren Umgänge, und es ist geschossen worden und so weiter, und dann sind die…ich glaube, die Kommunisten haben die rote Fahne am Parlament ein bisschen runtergerissen…zerrissen. Meine Mutter ist ein…ich weiß nicht, warum, sie war nicht Kommunistin, but she had gewöhnlich – entweder nur aus Neugierde…oder ist sie mit den Sozialisten gegangen – hat sie ein Stück von der Fahne gehabt. Mein Vater hat Zigaretten vom Kaiser Karl gehabt. Ich weiß nicht, ob er die noch hat, wahrscheinlich nicht. Er war bei Kaiser Karl.

 

PR: Die nächsten Fragen, die ich jetzt hätte, die sind schon zu Palästina. Wie Sie sich anfänglich in Palästina niedergelassen haben, haben Sie von Problemen mit der Ansiedlung gesprochen. Können Sie mir sagen, was--

 

SY: --ja. Die Probleme waren nicht so Probleme, es war…das Land war nicht sehr geeignet. It was…weil es war sehr viel Malaria und einiges war Weidegebiet. Und das hat dem Effendi gehört und er hat es verkauft, but die settlement…die Dörfer haben es als Weidegebiet benutzt und wollten es nicht aufgeben. Es hat ihnen nicht gehört, but da war ein bisschen Getue, ja. Aber incidentally – das wollte ich dir auch noch erzählen –, wir haben immer sehr gute Beziehungen zu den Arabern…nicht zu den Arabern, aber zu den Dörfern gehabt. Und dann haben sie einen Dings gemacht, einen…wie sagt man da…a siege…wie sagt man siege auf Deutsch?

 

KW: Belagerung?

 

SY: Belagerung, ja, sowas Ähnliches. Die Straße wurde abgeschnitten und man konnte nicht heraus. Die brachten Militär…kein ausländisches, keine irakischen…sondern nur Palästinenser. Und wir…we had a siege, we could not get out. Für zwei Monate. Wir haben genug…we had milk produce and food, cheese. We managed, but we could not get out, there was too much shooting and they…that was it. And then we had one fatality. Einer von unseren חברים [hebräisch: Mitgliedern], ein Amerikaner, ist auf einen lightpole hinaufgeklettert, einen elektrischen pole, to change a light – they had big lights. And a sharpshooter, a sniper, got him. And they shot him. Das war von dem Dorf über dem Jordan. Wir waren am Jordan, auf der anderen Seite vom Jordan war ein großes arabisches Dorf, Sachria hat es geheißen. Und natürlich, das war eigentlich…wir haben alle Verluste gehabt, aber this war der einzige der ermordet worden ist, von dem sniper.

 

4/00:17:24

 

Sie haben alle möglichen Nachrichten herübergeschickt…sie waren es nicht, die Sachria-Leute, sie sind…es tut ihnen furchtbar leid, sie waren es nicht, es sind fremde Araber gekommen von außen, sind alle Dörfer besetzt worden und die haben es getan. Wir sollen keine Rache nehmen. Das war…but we could not…wir konnten wirklich nichts machen, die Kinder waren there, die haben alle in bunkers geschlafen, natürlich, wir haben bunkers gehabt und so…auf uns ist nicht geschossen worden, we simply could not get out. Weil da nur eine Straße war, die war abgegraben, und so haben…okay, das war der siege. Eines Tages – es hat vielleicht einen Monat gedauert – wachen wir auf…und da ist immer geschossen worden, nicht an uns, in die Luft…es war Ruhe. We could not see, wir haben keinen Menschen gesehen, niemanden gesehen. Wir wussten nicht, was war. Wir sind ins Dorf gegangen, es war ganz leer, verlassen. Kein Hund war there. Gar nichts, sie haben alle ihre Sachen, ihre Tiere, ihre Kinder gepackt und niemand war dort in dem Dorf…dem nächsten Dorf vor uns. Wir haben nicht gewusst, was los war. Gegangen. Dann ist einer gekommen, eine Nachricht…Hamudi hat er geheißen…er war ein Händler und hatte Fleisch und wir haben Sachen von ihm gekauft. Hamudi ist gekommen und hat uns erzählt, es…in der Nacht herumgekrochen. Dieses…das headquarter, oder whatever, die hatten…der Befehlsstab ist gekommen und hat gesagt, sie müssen alle verlassen, weil da wird eine große Invasion sein von Syria and from Lebanon und die große Armee wird kommen and die werden den ganzen Kibbuz umschlagen, alle Kibbuzim und then können sie alles haben. Die Häuser und alles, die werden uns alle erschießen oder erschlagen and sobut jetzt sollen sie alle weggehen, damit sie die Invasion nicht stören.

 

Und die sind alle gegangen, die Deppen. Die sind dann in Golan Heights und weiß nicht, in die…somewhere near the Golan Heights…sind über die Golan Heights nach Syria gegangen. Kein Mensch war there, niemand gekommen. Wir sind in die Dörfer gegangen…that was the end, we did not chase them out. I am telling you, we had good relationships, I mean, I am not saying…ich will nicht sagen, dass das überall war, das ist justit happened zufällig in unserer Gegend, im Golan-Gebiet waren ein paar Dörfer und wir haben gute relations…ich bin in dieses Dorf oft gegangen, mit dem Doktor oder nicht mit dem Doktor oder in der Nacht vom Autobus, weil wir…der Bus konnte nicht fahren, man musste nur von der Hauptstraße gehen. Nichts, niemand hat uns je was getan, was fine. Und wenn sie was gebraucht haben, sind sie gekommen und wenn wir was gebraucht haben…wenn der Wagen stecken geblieben ist im Kot, weil kein drunter…sind sie gekommen und haben uns gesagt…Kutschen, der Chaffeur sie geschickt und dann sind sie gekommen und haben uns geholfen den Wagen herauszuschleppen, I mean, wir haben wirklich…ich sage dir, freundlich, vielleicht nicht alle, aber diese Dörfer waren fine. Und bis auf diesen einen Schuss, der diesen…es war ein Amerikaner, too bad…erschossen hat, hatten wir gar keine Fatalitäten. Later, im Krieg, aber sonst waren keine Fatalitäten. Kinder waren dort, alles.

 

4/00:21:55

 

PR: Wann war das mit dem Schuss, in welchem Jahr?

 

SY: Das war the beginning…Israel sixty years now. Sechzig Jahre, now 59 years ago it was. Kannst es dir ausrechnen. And that is it, and no one ever came. Of course, they never came and they got all beaten up. Wochen, Monate später ist dieser Hamudi, dieser Mann, gekommen…geweint und geschrien…sie sind alle in einem Lager und sie haben nichts zu essen. Hat gebeten um Essen und food. Seine Familie verhungert, und das ist eine wahre Geschichte, ich erzähle das nur…das ist meine eigene experience. Ich weiß nicht, wie es in anderen Plätzen war. Und wir haben Essen gegeben…he did not want to…er wollte gar nicht zurückgehen und…what can we do with him…und, dass sie irgendwie in einem Flüchtlingslager sind und niemand hilft ihnen, und sie haben nichts zu essen, was ist zu tun. That is Hamudi and that is…das ist das letzte, das wir von unseren Nachbarn gesehen haben, die sind alle…werden nicht vertrieben. Ich sage nicht, dass es in anderen Plätzen nicht so war, but in unserer Gegend dort, so war es. Die sind alle weggegangen, period. Die haben…nachher…wir haben gekämpft in den Bergen, nicht im [unklar], da war nichts. [unklar] da waren viele blutige Kämpfe und in Golan Heights, yes. But in the whole valley, where there were these villages, they left. Never came back. Only der eine, der Hamudi. Ich nehme an, dass es nicht überall so war. Ich weiß, in Haifa, they…Haifa war ein mixed city und Haifa ist nicht sehr…ist die eine Stadt in Israel, wo der Bus am Schabbat fährt, und nothing religious going on, that is Haifa. And the mayor of Haifa, Jewish mayor, said…das war eine gemischte Geschichte, more Jews than Arabs, but you know, it was a city. Er hat sich verpflichtet und er hat sie gebeten: Please, do not leave.“ He put himself responsible that nothing is going to happen to them. He wanted them to stay. It was a good city, it was a city, which was mixed. There were no Arab and Jewish neighbourhoods, it is pretty much all over, the Mount Karmel and whatever, it is beautiful. Der hat sie gebeten, die Stadtleute, die Stadtbeamten…die Regierung von Haifa…der Bürgermeister and his counselors, haben sie gebeten nicht wegzugehen: „We are one city. Wir sind eine Stadt. Bleibt hier.“ Can we…I mean, he worked there. But they all left. They got orders. Natürlich, von anderen Städten hat man sie schon vertrieben, ich glaube schon. Ich glaube in Jaffa war es nicht so gut. Aber Jaffa ist…da waren viele Kämpfe. But Haifa, there was no shooting. They could have stayed. Mixed city, which is a very unreligious city, Haifa. The Bahai center is in Haifa, if you know the Bahai religion, they have the center in Haifa. I have a neighbor here, he is Bahai, goes to Haifa every year. It is beautiful, nice garden. So since we are…es war verschieden überall und nicht dasselbe. Of course there were atrocities on both sides I presume, it was a war. I do not think there was a lot.

 

4/00:26:28

 

PR: Wir haben vorhin schon ganz kurz darüber geredet, aber ich würde gerne noch einmal zu einer Frage zurückkommen: Und zwar haben Sie mir gesagt, dass Sie in Palästina waren, als Sie erfahren haben, was für ein Ausmaß die Verhältnisse in Deutschland angenommen haben. Können Sie sich erinnern, wann Sie das erfahren haben, in welchem Zusammenhang, wie das--

 

SY: --yes, I was…ist irgendetwas…war es in der Zeitung, in den Nachrichten hat man etwas gehört. Und dann sind…Leute haben Bilder gezeigt, und Fotografien hat man gesehen. And man konnte es nicht glauben. At the beginning. Man hat es wirklich nicht so gewusst. And die…du musst verstehen, die Israeli Jugend zu dieser Zeit, die haben das gar nicht verstanden. „Wieso haben sie sich nicht gewehrt? Wieso haben sie nicht geschossen?“ And even Felix said: “If those people had listened from the beginning, some would have been alive. This was so orderly. What would have happened if they had not gone when they were…you know, half of them would have died.“ But this is a very peculiar point in Israel and I do not even know if I should talk about it…that the Israeli Sabres at the beginning of the war, they were…they could not understand that…they said, because they were all so…every Israeli was a soldier: “You hit me, I hit you, I hit you first before you hit me.“ We were in a war. They could not understand that people went…as you say, wie man sagt, as the lamb to the slaughter. That there was absolutely no…kein Widerstand. Now, of course, Ghetto Warsaw is a big thing, because that…the only one left. I have a book, ein deutsches Buch, sehr gut…somebody who lived through Ghetto Warsaw. I mean, they were all pretty young people, the Sabres they could not understand it. They were not very impressed, so to speak: “Why do they not fight back? Why did they not do something? How is it possible, that they claim and they…to a town and everybody has to come and everybody came? Why did they not come? What could they have done?“ There was this idea in Israel. Of course, things changed later, but at the beginning, they were…I do not know, surprised is not the word. It was…could not be understood. It could not be understood.

 

And they called us the Jeckes, I could not believe it at all. You know what a Jecke is? Plenty Jeckes there in Netanya. Very, very hard, especially German Jews…the Polish understood, there was anti-Semitism. There was anti-Semitism I am sure in Austria and Germany, but not everybody felt it. Especially the German Jews. They were so integrated. Much more than the Austrians. The Austrians had the Polish influence and they had a lot of…after the war and whatever…Germany did not have that much, I think. And people lived in communities. That is it. No, I do not know, it is just…Felix too. He was upset. Why did they not do…why did they not come, what could they have done? They would have shot half of them, but half of them would survive. It is easy to talk. I still have a lot of unresolved things. If you are not there, you do not…you cannot do much.

 

[Übergang/Schnitt.]

 

4/00:31:50

 

PR: Sie haben uns die Biografie von [Marcel] Reich-Ranicki, Mein Leben, gebracht.

 

SY: Ich habe es gelesen…sehr interessant. Nicht alles ist sympathisch, aber es ist interessant, es ist sehr typisch, glaube ich, von einem deutschen Juden, der eigentlich in Polen geboren worden ist, aber sich sehr Deutsch fühlt, durch die Literatur und die Kunst und alles, und zurückgekehrt ist trotz allem. Hat Auschwitz überlebt und went back to what he wanted to do, which is literary critique. Er schreibt sehr gut. Er war eine Zeit lang auch in Georgetown, glaube ich. Meine Deutschlehrer haben ihn sehr oft zitiert, als Kritik. Him and a few others.

 

PR: Sie haben Ihren Mann im Kibbuz getroffen.

 

SY: Ja, natürlich. Er war sechzehn, ich war fünfzehn. Er ist mit einer Gruppe von Czechoslovakia gekommen…and ich war schon dort seit zwei Wochen früher. Und da…so war es halt.

 

PR: Und Sie haben dann geheiratet.

 

SY: Well…das war eine Gruppe von Kindern, viele hatten Beziehungen, einige hatten Beziehungen in der Gruppe, einige hatten mit anderen. Er hatte ein girlfriend gehabt und er hat aber abgebrochen und sie ist später eine sehr gute Freundin von mir gewesen. Und wir waren so eine Gruppe von…wie das so ist, in größeren Gruppen gibt es immer smaller Gruppen. Und dann hat er…ich wollte da nicht…es sind ein paar nachgegangen, und ich habe ihn doch sowieso nie gesehen, eventually. Als ich…I knew if I would, it would be him, but I was not ready. [Lacht.] I had another boyfriend and then I said: “Now my life is…” And this one went to America, the other one, he said: “No, I do not want that”. That was the one I was going to…eventually, when I was ready. He was busy, both in the army, both running around, it was not so easy. The…I was good.

 

PR: And when did you get…when did you marry?

 

SY: Officially? Well, we married…when we decided to get married, now what can you say? He came, I said yes, but he could not come and then he finally got one day of vacation, it was Rosch Haschana. And so then we moved in together, because – not that it was important – according to Jewish religion, you cannot marry between…from Rosch Haschana to Yom Kippur, this did…the day of shoah, they are called. Wir haben immer…this period between Rosch Haschana and Yom Kippur, the ten Bußetage they are called in…and you just do not marry. But you always can get an exception if you are in the army or whatever. So not that it made any difference then. He came, he got two days of vacation from Rosch Haschana, so he came and that was it. A kibbutz…that was still under the British, there was no civil…even now, there is no civil marriage in Israel. It is very annoying. You have to worry with the Rabbi, so if people want a civil marriage, they go to Cyprus or someplace. So the kibbutz did not care, they made their own…but then when I wanted to go to America, they did not recognize that. When I wanted to visit my parents. So I had to go and get an official marriage…because the kibbutz certificate was not official for the American consulate. And I could not get a visa and this…it was right after the war, after I proved that my husband stays here and only I go, because they did not want any…God forbid…Immigranten, now the borders are open, everybody who wants, comes over the Rio Grande, walks over, at least they are not…so I had to get an official thing, and so I went back to Rosh Pina and arranged for a normal, for a Jewish marriage…it is stepping on the glass and all that and this was…I mean really, that I would say…so we have our own private date and we have an official date. And the official date is just for…to get the visa, to be able to things.

 

4/00:37:44

 

PR: And you have three children? Can you tell me a little bit about your children and when they were born?

 

SY: Well, Uri was the first one. I was with Uri…Felix was in the army at that time, but I came…we had to travel, the hospital was in Tiberius, a two hour drive there. Nothing special, he came very…very nice, he was…nobody would recognise him, he was a blonde…he had blonde hair. Now he is black and curly. Changed. Was a very lovely child, did not do anything for one year, and I was desperate: “Hey, do something!” And Felix smiled and Uri got up, and walked and talked. He is nice. And Jahel…Uri, they called him the “Gerber baby”, because he is a…now there is a baby food, American…“Gerber“, how do you say ”Gerber“? And this was a baby food and…when you read it in Hebrew with the vowel you pronounced it “Gruber”. And there was a smiling baby, a beautiful baby…Uri. You know, the children grew up in the children house, not with me. I mean, they were in the children house, they did not have…now they changed it, but we had our children in children houses, not in our private room. Well, they had them during the day, we went to work and we picked them up and they put them to bed in the children house and that was fine. Bedtime story and they had their own friends, it worked. The “Gerber baby”, they called him, because he was so pretty, he was so beautiful.

 

Jahel…her name was Jahel. Uri is a biblical name, something like “light”, an angel of light. Jahel is…a “light god”, actually. Jahel, something like that, a “mountain god”. Because most of the Hebrew names have meanings, a lot of animals and things like that. She was born just two years after, Jahel. She was very smart from the beginning. And then we came to America, she was three and he was five. And we talked Hebrew obviously and their cousin…we stayed with my sister and she had to speak Hebrew to them, she knew a little bit, so they learned Hebrew, because she…they were the majority, the two and she had…and she wanted to talk, so she learned Hebrew. They all spoke Hebrew and then we went…Felix went to University of Connecticut…we moved to Connecticut and there was no public kindergarten at that time, it was very complicated, but eventually they had a co-op nursery school. Then we learned English and I thought that was a good idea, because we were going to go back in a year or so, so let them know English, Hebrew is there anyway, so you know English. Well, we did not and so he finally forgot Hebrew, I do not think he knows any more than a few expressions he knows from his stays. Uri…he is an architect, he is an artistic nature. And he got so fat, that is terrible. [Lacht.] He travels a lot, because he and his friend formed an architecture firm, they are partners and it is a very big firm, they have about 30 employees or more, and they do a lot of laboratory work. They did all the laboratory for NIH, and he goes around, and he was in India and all sorts of places as a consultant for laboratories, for universities and hospitals.

 

4/00:42:09

 

He has three children, the oldest, Nate, is 26 or maybe 27 if I am not…medical student, he is going to graduate this year. And he has a little boy, Frankie, who is three years old. He is very cute, and very spoiled, and everybody loves Frankie. Nate…and Frankie’s mother does not live with him, he is…that is it. So Frankie lives with his mother during the week and on Friday he comes to Uri and Nate comes down from…Nate comes down from Pennsylvania, where he is in medical school. But he is a very devoted father, and he interrupted his study last year and took one year in Hopkins, so he could be home every day and then moved together with his…they were separated before the baby was born, they then…the relationship…and then he went to school, and they separated and then they found out that she had a baby…so he was a very, very devoted father. That was funny, nobody knew about it, I got a phone call from him and he said: “Hi, Oma.” He calls me Oma. “How are you? Hey, you are going to be a great-grandmother.” I said: „Ja? Who? I am going to have…when?” He said: “Next week.” That is how he phoned everybody…but everybody was very happy, a very sweet boy and everybody loves him, Cathy loves him, everybody loves him…it is okay. Very sweet, I have a picture. Really looks like his Opa. See, he is still…he is smart. He is smart, and Uri takes him camping, and swimming, he is a family man…nice.

 

That is Uri and Cathy, Cathy is from Pennsylvania. [Zeigt Fotos.] None of my children married Jewish, they all are non-Jews, but all my grandchildren are Jewish. None of them had Bar Mizwa…they all had Bar Mizwas, some had…no, not, Uri’s kids, they did not have Bar Mizwa, they are atheist. And they have a very Irish grandmother, Cathy’s mother is sort of Irish and she is very…so they go up, Christmas and Easter, and they say: “Well, we have to go, because we go to church on Christmas.” And then they said, they think they are Jewish because they like Jewish food much better. [Lacht.] They are really nice kids. Uri had Bar Mizwa, when he was a kid and…they are very Jewish and he is very…he was in Israel, he was born in Israel, he visited Israel, he is okay, but they are not religious, but they have Passover…we have all the holidays. We have…we feier all the holidays and now he does the holidays, because I feel I rather…do not want it anymore, so when I come for Passover…he makes Passover and they are, what you would call…how do you call it in Israel…he is Jewish but not religious. He had a Bar Mizwa and he does not…like the whole thing…he did not like school, he did not like temple…he is fine. Now, that was Uri.

 

4/00:45:58

 

Jahel, my daughter, she is a doctor, she is a physician. She was very active in the Vietnam scene…this and that. And she worked in the free clinic in Georgetown, she is…was politically very, very active. They all went to [University of] Maryland, too. She took a junior year abroad and she liked that, she decided to go home and become a doctor. She used to work at the Agricultural Research Station, they grew poppies there, poppies…they try to grow poppies which do not produce opium. She was in that research project. And she liked it, she said maybe she will not go to medical school, but then she found out what the pay is, she said, she would better go to medical school. [Lacht.] They did not pay much there. So she studied at the University of Maryland and she is a doctor. And she liked Florida, so the moment she was finished she moved to Florida, where she is now. Got married. He was a Zen Buddhist at that time. And she has three children…but now they go to temple. And the oldest one, Cora, had Bat Mizwa in Israel. She went to Masada. And of course here, too [unklar] there is a big…Bat Mizwas in Florida, it is like a wedding, oh God. And the next one is Hopi, who is going to start [at] Georgetown [University] and she is very sweet and very smart. A natural blonde and she is looking forward to go to school, Hopi. She is coming up maybe, they are all coming up and she…then she has her little boy. He is ten, eleven, Dylan. He is a boy scout and he is nice, he is talented. He is sweet, very sweet. And they have a dog and three cats and a swimming pool and a big house. [Lacht.] And God knows…and they play tennis. So she is nice, political. She was very active, now she is not, you know, political and Vietnam…and all this, now nobody wants to listen. She went to [University of] Maryland.

 

And then Ben…Ben is the American and he is a…yes, God, he is also a doctor. He is an internist and a dermatologist. He went to [Johns] Hopkins [University]. That is what he wanted. He is a very smart kid. He got accepted at every school he applied. And he wanted to travel, so he applied to Stanford, he applied in every place in America and went for interviews, he cost us a lot of money. He knew, he was going to go to Hopkins, he got accepted to Harvard, and then he felt bad he did not want to go to Harvard: “They accepted me and now I do not want to go, how does it look?” [Lacht.] And so he got…he is a big, big burner. All in my family are a big burner, but he is a very big burner and he married a very nice…[unklar] they are German. She was…she is an…I guess what did she do…intensive care unit at Hopkins. And he speaks German a little bit, so he said: „Ach, du lieber Himmel!” [Unklar] so that is how they met, she…and then they got married and she is very nice, but they did not…they moved away. They moved to Minnesota, end of the world. They have a very lovely house on the lake, absolutely no neighbours. There are bears, there are wolves, there are elks, there is everything there, lots of birds. It is in the middle of absolutely nowhere, but that is where Minnesota is. They live in a population [unklar] 57. And I just…”The population is 58, we will have a baby”. But they are very happy there. And they…first he was not, then he is…yes, now he is religious. He belongs to the synagogue. Jahel also belongs to a synagogue in Duluth and he does…it is a very nice synagogue, it is a reformed synagogue, and also a constructional, that is another thing, they are more different.

 

4/00:50:55

 

They have a lovely Rabbi, she is a lesbian and has a baby, and everybody is applauding…the whole community is babysitting and they take turns when she travels…maternity, they all do their own…he can do Rabbi, he can do…read the Torah with the [unklar], so he is…I do not know, he is not religious, but he likes Judaism, and birds. Birds and Judaism, that is his big thing. And they did home schooling so they could travel, which was fine, because then they came to Florida in winter. But now Ilana goes to college, so they cannot travel anymore. Ilana had Bat Mizwa and she goes to a…she is really, I guess, very, very smart, because at sixteen, she finished high school, home schooling, and went to community college two years, they can do that in Minnesota. The home schoolers can go to community college either to finish it or afterwards. So she had two years of community college, now she is eighteen and she is going to college, a normal college. But she cannot transfer or have all the credits, which she has in community college. She goes to a small Lutheran college in Minnesota, it is called Gustavus Adolphus, and she even got a little scholarship…for diversity. I said: “What is diversity?” Well, they want diversity, they have only Lutherans there, you know Gustav, Adolph, Gustavus Adolphus, so they want diversity. So they have 5.000 dollars, they give out five scholarships to non-Lutherans or non-Christians, who come to diversify. So she had a Jewish diversity, 1.000-dollar-scholarship. [Lacht.] That is where she is going to go. But she says it is a good college and it is hard to get into, it is not an easy thing. You had to write essays and stuff. Now you know the whole history.

 

And there is little…our little Frankie. My great-grandson, he is three years…was three in April. And he is quite happy and wherever he is, mommy, daddy, stepdaddy, stepmommy. Most happy he is with Uri and Cathy. With his grandparents, oh, he has a train-set there and God knows what. And he sleeps in the old little crib, which his father slept in, which we bought…we bought them for Nate, now Frankie sleeps in the same crib, that is still in the house. But he also got him a big bed, a nice bed. That is in his mother’s house. He says: „Ubi bene, ibi patria.” That is what they say. It is: “Wherever there is good life, there is my home“. And he likes it, so they are very nice kids, no trouble so far with anybody. Lots of tuition payments, I mean, when our…my kids were grown, we enrolled them in Maryland and that was the end, they got a little stipend sometimes. These kids have to go to Georgetown and to GW, and to God knows what schools, which are expensive. And Berkeley Prep – Billy goes to Berkeley Prep –, it is as expensive as a college. But they are nice kids, and they are good kids, and they are fairly healthy, and they get good grades, more or less. Only Zac, oh my God. Zac…Uri has three kids: Nate, Erin, and Zac. Nate is in medical school, he is finishing this winter. Erin graduated from New York University, she is a filmmaker and she works for…which film company…TV. They do the nature programs…I forgot. I cannot remember names all of a sudden, in my head. Anyway, she works, she has a job. She is the only one working so far. Everybody else are drainages. [Lacht.] She is the only one who makes any money.

 

4/00:55:55

 

PR: So, is there something I forgot to ask you? Something you would like to add to the interview?

 

SY: I do not think so. Well, what else can I tell you? My hair is my own. [Beide lachen.]

 

PR: Thank you very much for the interview.

 

SY: Thank you very much for being patient and caring.

 

 

[Ende des interviews.]